0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Autor Thema: Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren  (Gelesen 3253 mal)

Offline KaZuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Get away. Run away. Fly away.
Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren
« am: 13. Juni 2015, 12:59:53 »
Yo ihr Phanta-Menschen,

ich arbeite seit ein paar Tagen an einem neuen Manuskript. Es ist ähnlich experimentell, wie die Elite es am Anfang war. Es ist mein dritter Versuch, neue Welten zu erschaffen und nachdem der zweite Versuch vor einem Jahr kläglich gescheitert ist, bin ich ein wenig unsicher.
Hauptsächlich stellt sich mir gerade folgende Frage: Wie erkläre ich, wie alles in dieser Welt abläuft? Ich weiß: "Show, don't tell!" Ich versuche es ja auch, so gut es geht, aber diesmal ist es sehr viel schwerer als bei der Trilogie (meiner ersten und bisher einzigen erfolgreich erschaffenen Welt). Die Fülle an Informationen ist diesmal riesig. Erst, wenn man etwas zu erklären versucht, wird einem klar, wie kompliziert man eine Sache gemacht hat.

Nun also die Frage an euch: Wie viel Show-don't-tell ist euch wichtig? Wenn fremde Namen von Leuten oder Rassen fallen, wollt ihr selbst im Verlauf herausfinden, um wen und was es sich handelt, oder seid ihr lieber sofort up-to-date?
Gleiches gilt für Fremdworte. Konkrete Beispiele wären bei mir 'Nekomata' und 'Torii'. Ich erkläre dazu, dass es sich bei einem Nekomata um einen Dämon handelt und beim Torii um ein Eingangstor, sage aber nicht, dass Nekomata aus der japanischen Mythologie stammen und das Torii ebenfalls japanische Bauten sind. Googlet ihr als Leser gerne selbst, oder hättet ihr lieber eine satte Erklärung im Text?

Ich habe das Gefühl, in den ersten 15k die Leser mit einer Informationsbombe zu erschlagen. Hat jemand Erfahrung damit, komplizierte Welten logisch zu übermitteln? Über ein paar Tipps wäre ich echt froh.

Liebe Grüße,
Kazu
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff

Offline Kralle

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Lass Dir nichts einreden!
Re: Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren
« Antwort #1 am: 13. Juni 2015, 23:06:17 »
Hey Kazu,

Ich war kurz davor, eine ganz ähnliche Frage zu stellen - mit wie vielen Charakteren auf einmal kann ein Leser überhäuft werden?

Ich habe für mich beschlossen, die Figuren gruppenweise einzuführen: Wer miteinander zu tun hat, zu einer bestimmten Clique gehört oder dauerhaft in einem bestimmten Kontext auftaucht, wird zusammen vorgestellt. So wird der Leser nicht überrannt mit verschiedenen Leuten, die alle komplett unterschiedliche Rollen spielen.
Ich denke, ganz ähnlich kannst du es vornehmen: Wenn eine Gestalt auftaucht, die zu einer unbekannten Rasse gehört, kannst du alles einfließen lassen, was dein Prota über sie und ihre Herkunft weiß. Und erst, wenn er wieder jemandem begegnet, der zu einer wieder unbekannten Rasse gehört, diese wieder erklären. Mit der Zeit wird der Prota seinen Horizont über die Kreaturen, mit denen er lebt, erweitern, und das kann er zusammen mit dem Leser tun. Quasi nach und nach die Karte aufdecken, wenn du verstehst, was ich meine, statt von Anfang an jedes Detail schon vorzustellen.

Vielleicht kannst du dir auch überlegen, an welchen Stellen weitere Informationen noch gar nicht nötig sind. Wenn jemand über ein unbekanntes Land spricht, macht das doch den Reiz an einer neuen Welt aus. Es wird kaum notwendig sein, jede Ecke und das Herrschaftssystem usw. an dieser Stelle zu erläutern. Das kann nach und nach eingeführt werden durch die Erwähnung eines Königs oder eines Rates, der regiert, oder was auch immer. Ich weiß ja nicht, woran du speziell hängst. Wenn du die genauen Punkte (eben z.B. Vorstellungen der Rassen) nennst, kann man dir vielleicht besser helfen. :)

Zu den Hintergründen der Wörter noch: Ich persönlich mag es tatsächlich, mich selbst schlau zu machen. Käme ich in einem Fantasyprojekt allerdings so nicht auf die Idee, da ich von (mir) unbekannten Namen davon ausgehe, dass sie erfunden sind (stellt sich die Frage, warum japanische Mythologie in einer neu erschaffenen Welt vorkommt?). Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass es Leute gibt, die lieber gleich alles beisammen haben. Allerdings könnte es ihnen auch nicht so wichtig sein, über alles Hintergründige Bescheid zu wissen. Du kannst natürlich auch ein Glossar anfügen, das löst das Problem sofort. ;)

LG
Kralle

Offline KaZuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Get away. Run away. Fly away.
Re: Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren
« Antwort #2 am: 13. Juni 2015, 23:57:15 »
Yo Kralle,

die Karte nach und nach aufzuklappen, gefällt mir als Methode auch sehr gut. Dem Leser alles vorzukauen kommt mir dämlich vor. Also nicht dämlich, aber sehr unprofessionell. Nur sind es eben gerade so viele verschiedene, neue Dinge - Namen, Beziehungen, Aufbau der Welt, Politik, Konflikte ...
Das mit der Überlegung, Gruppierungen zusammen vorzustellen, klingt zwar sinnvoll, ist aber schwierig durchzusetzen. Ich braue meine Handlung nämlich in der Regel nicht so auf, dass für mich und für den Leser am einfachsten ist, sondern so, wie es am logischsten ist. Nur per Zufall verläuft alles so, dass ich erst einmal den engsten Kreis meines Protagonisten vorstellen kann. Aber ich denke, dass man das nicht bei allen Projekten so machen kann.

Was die japanische Mythologie angeht: Mein Projekt spielt auf den sogenannten Kolonien. Das sind zwei Planeten im Sternbild Südliches Kreuz, auf die sich sämtliche Götter, Dämonen und Kreaturen vor Jahrhunderten zurückgezogen haben, die man in den Erdmythologien finden kann. Sie alle lebten anfangs auf der Erde, sind aber auf dem engen Raum immer wieder in Konflikten aufeinander geprallt. Man findet also auf den Kolonien Götter aus Ägypten, Japan, Griechenland et cetera. Mein Protagonist ist beispielsweise ein Schakalgott aus Ägypten, ein Ratsmitglied ein Nekomata (japanischer Katzendämon), Prometheus spielt eine Rolle, Kelelthyn als Vertreter der abrahamitischen Religionen, Hel als Wächterin der Erde, der Teufel (hier Mephisto genannt) natürlich auch und so weiter und so fort. Da es aber dadurch so viele verschiedene Rassen, Traditionen und Kulturen auf den Kolonien gibt, ist es schwierig, alles clever unter einen Hut zu bringen.

Aber danke für deine Meinung. Schon jemand, der wie ich denkt! c:

Liebe Grüße,
Kazu
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff

Offline Homura-Yuuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Storys by Homura - since 2002.
Re: Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren
« Antwort #3 am: 14. Juni 2015, 19:39:50 »
Hallöle,

also, ich mache das mit den Hintergrundinformationen, wenn es jetzt z.B. um Sachen über gewisse Charaktere geht, fast immer nach dem gleichen Prinzip. Es gibt irgendeine Situation, Gegenstand, Person oder Ort usw., die die Person gerade sieht bzw. durchlebt, und ich füge in Form von Gedanken so was ein wie "Jaaa, das war schon immer so gewesen, blablabla...", "Hier ist das und das passiert", so was halt. So ist das für mich immer am einfachsten. Das ist dann weder ganz Show noch ganz tell.

Was Welten angeht, habe ich ja bisher nur in den Magiern eine andere Welt gehabt, und da mache ich es so, dass ich auch quasi eine Karte immer weiter öffne. Was in dem Fall aber auch logisch ist, wenn das welche sind, die die Welt gewechselt haben und jetzt alles so allmählich entdecken.
Wenn wir jetzt auch bei den Magiern bleiben, da habe ich ja auch einige andere Rassen, die ich einführe, Magier, Werwölfe, Kistune, Götter, et cetera. Je nachdem wissen die Hauptcharaktere vielleicht auch schon was über die, manche Sachen lassen sie sich erzählen. Das Konzept der Magier wird ihnen beispielsweise auch nur von Magiern und von dem Wesen Tritomati erklärt. Über Werwölfe wissen sie schon bisschen was aus Filmen und Serien. Und ich habe ja auch ein Kitsune-Mädchen (zum Thema Mythologie), da habe ich das so gemacht, dass ich sie beim ersten Aufeinandertreffen rein äußerlich beschreibe, also dass sie Fuchsohren und -schweif hat, später nenne ich sie einfach beim Namen oder "Fuchsmädchen". Hier fällt der Begriff Kitsune gar nicht erst und dann muss ich da auch nichts erklären.
Sonst stimme ich Kralle auch zu, ich Google so was auch gern selbst. Damit weckt man ja auch das Interesse des Lesers. Außerdem entdeckt man dadurch ja auch irgendwie mit dem Prota mit, oder? ^^

Das ist jetzt alles, was mir dazu einfällt. Und falls das etwas wirr gewesen ist, tut mir das leid. Mein Gehirn ist gerade wieder mal voll mit einer anstehenden Arbeit. ^^"

Übrigens musste ich grinsen, als ich "Kolonien", "Schakalgott aus Ägypten" und anderes gelesen habe... :P


Liebe Grüße,
H-Y
♦ ~ Writing was there for me when no one else was. ~ ♦

Offline Thiod

  • Obermotz
  • *****
  • Geschlecht: Weiblich
  • The bunny is evil! (He killed the carrot.)
Re: Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren
« Antwort #4 am: 15. Juni 2015, 00:16:06 »
Hallo Kazu,

ich kenne dein Problem. In der typischen High-Fantasy (oder auch nicht NUR High) findet man immer wieder, dass der Protagonist ähnliche Wissenslücken wie der Leser hat und man so mit ihm gemeinsam lernt (Frodo im Herrn der Ringe stammt aus seinem beschaulichen Auenland, die Kinder in Narnia kommen aus unserer Welt, Harry Potter ist unter Mugglen aufgewachsen...).
Wenn das nicht geht, da der Protagonist voll informiert ist, dann ist ein wenig 'tell' schon erlaubt. Eben immer die Informationen, die zur Situation nötig sind um den Inhalt zu verstehen und das Feeling rüberzubringen.
Was die Japan-Info angeht, würde ich nicht tell-mäßig sagen 'Und übrigens glauben die Japaner an sie...' (jetzt etwas platt gesagt), aber vll. in Gesprächen Hinweise fallen lassen (wenn da die Götter verschiedener Kulturen leben, könnten sie ja auch über ihre jeweiligen 'Verehrer' reden - oder es wird schon durch die Beschreibung des Aussehens und Handelns (Kleidung und Kultur) deutlich.

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline KaZuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Get away. Run away. Fly away.
Re: Hintergrundinformationen sinnvoll platzieren
« Antwort #5 am: 15. Juni 2015, 08:01:00 »
Hey ihr,

danke vielmals für eure Tipps! Einige davon haben mir die Augen geöffnet! Schon erstaunlich, dass einem die einfachsten Methoden manchmal einfach nicht einfallen wollen ... :D

@Yuuko: Was die Informationsausgabe in den Gedanken angeht - davon bin ich kein allzu großer Freund. Mir kommt das immer wie ein Exkurs vor, der je nach Situation recht fehl am Platz wirken kann. Klar, wo es reinpasst, mache ich das auch hin und wieder. Aber das wirklich als regelmäßige Methode zu benutzen, ist nicht so meins.
Das mit dem Fuchsmädchen hingegen gefällt mir. Solange man nicht unbedingt wissen muss, dass es in der japanischen Mythologie Kitsune gibt, klingt das nach einer netten Lösung. Man muss offensichtlich nicht alles erklären. Ich sollte anfangen, mir zu überlegen, wo die detaillierten Informationen nötig sind und wo überflüssig. Danke für die Erkenntnis.
(Heh, ja, die "Kolonien" und der "Schakalgott". Macht bisher echt großen Spaß, das zu schreiben. c: )

@Thiod: Informationen ins Gespräch einfließen zu lassen, geht zwar in Yuukos Gedanken-Info-Richtung, allerdigs finde ich es im Dialog bedeutend einfacher. Zumindest, wenn man es schafft, besagte Info fließend einzufügen. Habe ich in diesem Projekt auch schon bewusst gemacht, allerdings ausgerechnet bei dem Japan-Ding nicht drangedacht. Doof. :D

Grüßchen,
Kazu
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff