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Autor Thema: Protagonistengeschlechtsveränderung?  (Gelesen 6343 mal)

Offline Wildfire

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #15 am: 11. April 2015, 21:40:06 »
Hey Jakob,
ich behalte auch erst einmal den männlichen Protagonisten, da sich mit einem Mädchen doch sehr viel ändern würde.
Aber wenn ich merke, dass es wirklich nicht so richtig klappt, dann werde ich was ändern müssen.

Liebe Grüße
Wildfire

Offline Thiod

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #16 am: 12. April 2015, 14:47:23 »
Etwas provokante Frage: Warum ändert sich so viel, wenn es ein Mädchen und kein Juge ist?
Ich muss gestehen, ich habe selbst noch nie so intensiv darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn ich das Geschlecht meiner Protas ändern würde (ich bin an meine Protagonisten so gewöhnt, wie sie sind) - aber spontan zumindest, glaube ich, dass viele Dinge gleich wären. Ich finde es interessant, darüber nachzudenken, was sich tatsächlich ändern müsste - und was vll. auch einfach nur Vorurteil ist, bzw. einfach daran liegt, dass wir DENKEN, da müsste ein Unterschied sein. Hauptsächlich glaube ich, dass man selbst beim Schreiben mit einer anderen Einstellung und Erwartung heran geht, jenachdem, welches Geschlecht die Figur hat - in wie weit das dann tatsächlich darin resultiert, dass die Figur anders handelt/denkt/fühlt bleibt zu beobachten (wenn man jetzt einmal von den massiv gebrauchten Alltagsklischees wie 'guckt Fußball' 'liebt einkaufen' ... absieht)

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Jakob

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #17 am: 12. April 2015, 16:02:29 »
Wirklich interessant.
Was mir zum Beispiel gleich einfallen würde, sind die Beziehungen: Ich finde eine Tochter-Vater Beziehung ist imer etwas anders als
eine Sohn-vater-Beziehung. (Umgekehrt natürlich auch.) Ebenso wage ich zu behaupten eine Bruder-Schwester-Beziehung unterscheidet sich
von einer Schwester-Bruder-Beziehung. (Also älterer zuerst.)
Außerdem ist an Klischees immer etwas wahres, wenn auch natürlich im viel geringeren Maßen; und gerade in Büchern werden ja immer mal wieder
selbige gern gebraucht. Oder man versucht das krasse Gegenteil zu nehmen.
Zu Thema Jungen- und Mädchensachen passt dieser Absatzt sehr gut:
Ich selbst versuche immer eher vorsichtig mit Begriffen wie "mädchenhaft" und "jungenhaft" umzugehen, da wir dadurch, dass wir diese Wörter benutzen ja auch überhaupt erst behaupten, dass etwas "jungen- oder mädchenhaft" ist. Natürlich gibt es Dinge, die tendenziell mehr Jungen oder mehr Mädchen mögen, aber gerade bei den Gegenbeispielen wird das dann immer schnell unsinnig. Ich selbst schreibe auch gerne aus der Sicht von Jungen, kann dich da also verstehen (wenn auch eben anders herum). Aber dazu ist man ja auch Schriftsteller und nicht Autobiograph: Dass man sich von sich selbst lösen kann und etwas anderes schreiben. Das wird den Lesern oft sogar deutlicher, wenn man als Prota bewusst das andere Geschlecht nimmt, zumindest habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Leute dann nicht so schnell sagen: "Oh, hast du das wirklich einmal gemacht?"

Liebe Grüße,
Jakob

P.S.: Hoffe , dass war jetzt nicht zu OT.

Offline Wildfire

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #18 am: 13. April 2015, 15:09:20 »
Thiod, das ist wirkich mal eine interessante Frage. Ich habe darüber nachgedacht, was ich dir antworte und musste feststellen, dass du wahrscheinlich Recht damit hast. Ich DENKE, dass sich sehr viel ändern müsste. Aber eigentlich sind es hauptsächlich Kleinigkeiten, die mir aber trotzdem wichtig sind und am Herzen liegen.
Das größte Problem wäre, dass ich die Charakere um meinen Protagonisten herum, wahrscheinlich auch verändern müsste. Auf die Liebe bezogen möchte ich dann nämlich nur ungern eine lesbische Protagonistin. Für mich spielen Beziehungen auch immer eine SEHR große Rolle. Das finde ich am Schreiben eine der mit am interessantesten Dinge. Deshalb stimme ich dir vollkommen zu, Jakob. Mein Protagonist hat ebenfalls eine kleine Schwester und eine besondere Beziehung zu ihr, die auch unbedingt bleiben muss, weil sie in späterer Zeit in meiner Handlung sehr wichtig wird. Die Nebencharaktere und Beziehungen wären also das größte Problem, aber machbar. Ich muss allerdings zugeben, dass ich sehr an meinen Charakteren hänge und mein Kopf mir ein bisschen im Weg ist und sagt: "Es müsste sich aber so viel ändern. Das willst du doch gar nicht."

Liebe Grüße
Wildfire

Offline Iphigenie

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #19 am: 13. April 2015, 15:38:49 »
Ich melde mich auch Mal dazu, nachdem ich mich so lange raus gehalten habe ...

Als Beispiel nehme ich einfach mich und mein Umfeld. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen zwei jüngeren Brüdern und meinen Eltern, auch zu meinem Vater. Das ist fast noch enger, als er zu meinen Brüder, würde ich sagen, einfach weil ich Dinge ernster nehme und wir beide gleich kreativ veranlagt sind (meine Brüder eher weniger).

Ebenso wage ich zu behaupten eine Bruder-Schwester-Beziehung unterscheidet sich
von einer Schwester-Bruder-Beziehung. (Also älterer zuerst.)
Persönlich habe ich schon öfter darüber nachgedacht, nicht die Ältere zu sein (besonders als ich noch klein war und immer die älteren Geschwister in den Geschichten die Bösen waren/es mir so vorkam  :-[ Das ist allerdings ein wenig OT), doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass es keinen großen Unterschied machen würde. Ich glaube, es hängt nicht davon ab, ob man ein Junge oder ein Mädchen bist, sondern an deinem Charakter und der orientiert sich, meiner Meinung nach, hauptsächlich an deinem Umfeld und da hattest du schon gesagt, dass du es so lassen würdest.

Wie du, Wildfire, erwähnt hast, denke ich auch, dass sowas stark an den Kleinigkeiten hängt.

Liebe Grüße, Iffi
"When it rains, look for the rainbow, when it's dark, look for the stars."

Offline Darkness Claw

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #20 am: 13. April 2015, 21:40:05 »
Warum ändert sich so viel, wenn es ein Mädchen und kein Junge ist?

Ich denke, sowas lässt sich nicht genau festlegen, denn natürlich hängt eine Menge vom Charakter der Person ab. Allerdings gibt es eben doch gewisse Schemata an Charaktereigenschaften, bei denen die einen vor allem auf weiblicher, die anderen vor allem auf männlicher Seite einzuordnen sind. Konkrete Beispiele zu nennen ist schwierig, aber ich hoffe, man versteht, worauf ich hinaus will. Ich würde auch einfach mal behaupten, dass es Mädchen gibt, deren Charakter als Junge so nicht existieren würde/könnte.
Meiner Meinung nach existiert also ein gewisser Grund-Unterschied der Geschlechter, der vermutlich vor allem auf niedere, angeborene Instinkte zurück zu führen ist. Als die Menschheit noch ganz am Anfang stand, haben solche "tierischen" Instinkte ja noch eine viel größere Rolle gespielt und einige von ihnen sind uns garantiert noch nicht ganz verloren gegangen.
Die Unterschiede sind allerdings wirklich nicht so gravierend, wie man im ersten Moment vielleicht denken mag, vor allem, da heutzutage die "typischen" Geschlechterrollen eine viel geringere Rolle spielen als im letzten Jahrhundert.

lg,
Claw
"Enœn sea. Ne nagasto Gelisdan."

Offline Thiod

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Re: Protagonistengeschlechtsveränderung?
« Antwort #21 am: 14. April 2015, 00:02:48 »
Tja, ich hatte schon gesagt, dass meine Frage provokant ist. Freut mich, wenn ich zum Denken anregen konnte. Ich selbst bin mir wie gesagt selbst alles andere als sicher.
Letztendlich wird es dann ja auch noch dadurch schwieriger, dass wir a) darüber nachdenken, wie es im realen Leben ist und
b) wie die Darstellung in einem Buch wirkt. Denn auch wenn es vll. wünschenswert wäre, die Welt realitätsgetreu darzustellen, gibt es doch Dinge, die in einer Geschichte ganz anders wirken, wenn man sie hinschreibt, weil wir es so gewöhnt sind, dass bestimmte Handlungen bestimmte Dinge in einer Geschichte implizieren.
Man kann in das Geschlechter-Thema sehr intensiv einsteigen - es gibt ganze Studiengänge, die sich mit Gender befassen - aber ich glaube durchaus, dass man für eine gute Geschichte nicht Genderwissenscahften studiert haben muss. Man sollte vor allem wissen, dass die Klischees vll. nicht ganz so selbstverständlich sind, wie man spontan annimmt, man muss sich deshalb aber um himmelswillen nicht verrenken.
Letztenendes schreibt sich eine Geschichte so gut, wie man die Charaktere lebendig vor Augen hat.

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit