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Autor Thema: [Buchberufe] Buchhandel  (Gelesen 4302 mal)

Offline Thiod

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[Buchberufe] Buchhandel
« am: 09. Dezember 2014, 18:19:15 »
Hallo,

nachdem ich angeschrieben worden bin, ob es denn auch zu den weiteren gewünschten Themen Threads geben wird, eröffne ich hier den, für den Buchhandel. Zwar ist mein Wissen sehr begrenzt, da ich lediglich ein Schülerpraktikum in der kleinen Buchhandlung bei uns um die Ecke gemacht habe, aber so lange kein richtiger Buchhändel da ist, der seine Einblicke geben kann, gebe ich mein Bestes.

Der Laden, in dem ich mein Praktikum gemacht habe, ist sehr klein, nur ein Raum plus Hinterzimmer und es arbeiten nur eine Handvoll Leute dort, aber praktisch nie mehr als 2 gleichzeitig. Die Inhaberin führt ihn selbst und steht auch oft mit hinter der Kasse.
Buchhändler müssen berufsmäßig viel lesen - nach Möchglichkeit auch verschiedene Sorten von Büchern, um sich in den verschiedenen Genres, die sie verkaufen, gut auszukennen.
Von den Verlagen kommen in Abständen Vertreter vorbei. Außerdem bekommen die Buchhändler Probeexemplare sowie Kataloge, um zu entscheiden, welche Bücher sie beim Verlag bestellen. In diesen Katalogen steht nicht nur drinn, worum es in dem Buch geht und wie viele Seiten es hat, sondern auch, wie intensiv es beworben wird, damit die Buchhändler die Nachfrage der Kunden im Voraus einschätzen können. Manchmal kommt es auch vor, dass Buchhändler ein Buch nicht nehmen, obwohl es ihnen selbst gefällt, weil sie wissen, dass ihr Publikum es nicht lesen würde. Außerdem erzählte mir die Buchhändlerin, dass sie schlecht einschätzen kann, was Kinder gerne lesen, weshalb ihr Laden Kinder hat, die Testleser bei ihnen sind und dafür dann immer die Kinderbuch-Probeexemplare lesen und bewerten.
Die Bestellungen beim Verlag direkt haben oft hohe Rabatte für die Buchhändler. Jedoch kann man da immer nur festgelegte Stückzahlen kaufen (1, 3, 5, 10...), bei Bestsellern gibt es auch sogenannte Partien (11 zum Preis von 10, 22 zum Preis von 20). Da muss man gut einschätzen können, wie viel gekauft werden wird. Denn zwar können nichtverkaufte Exemplare an den Verlag zurückgeschickt werden, dennoch verdient der Laden damit dann nichts und hat die Regale unnötig voll (wenn man zu viele Artikel im Laden hat, muss man obendrein nämlich auch mehr Steuern zahlen, weil die Bücher ja potenziell etwas wert sind).
Wenn die bestellten Bücher von den Verlagen kommen, muss man kontrollieren, ob alles, was auf der Rechnung steht, auch im Karton ist und dann die Bücher in die Regale einsortieren. Wenn man von einem Buch vorher noch kein Exemplar hatte, wird außerdem eine "Laufkarte" hinten reingelegt: Dadrauf steht, wie viele Exemplare man im Laden hat und wann man neue bekommen hat, um Überblick darüber zu behalten, wie viel man es verkauft und nachbestellt. Als ich mein Praktikum gemacht habe, hat das Einsortieren der Bücher in die Regale (und das Prüfen der Einordnung, gelegentlich landen Bücher in falschen Reihen) die meiste Zeit beansprucht.
Neben den Bestellungen von Verlagen gibt es auch die Bestellungen von Großhändlern wie z.B. Libri. Das sind Firmen, die riesige Lager mit praktisch allen Büchern, die zur Zeit auf dem deutschen Markt sind, haben. Man kann mit einer Suchmaske die Medien finden und sie werden dann am nächsten Tag in den Laden geliefert. Ein so schnelles und effizientes System ist weltweit einmalig in Deutschland. Jedoch verdient der kleine Buchladen selbst nur wenig bei solchen Bestellungen, da er vom Großhandel keine Rabatte kriegt. Die Bestellungen sind also vorallem ein Kundenservice, wenn der Laden ein gewünschtes Buch nicht vorrätig hat. Und die Gewinnspanne erhöhen kann der kleine Laden nicht, weil für Bücher in Deutschland Presibindung gilt - man kann also nicht ein Buch billiger oder teurer verkaufen als vorgesehen.
Ansonsten beraten Buchhändler natürlich Kunden in der Buchauswahl, kassieren und rufen Leute an, deren Bestellungen eingetroffen sind.
Und natürlich müssen auch Buchhändler wie alle Ladenbesitzer Inventuren vornehmen und ihren Umsatz berechnen und all diese kaufmännischen Dinge tun.

Deutschland ist das einzige Land, in dem es Buchhändler als Ausbildungsberuf gibt. Jedoch ist der Beruf durch den Internetbuchhandel und vorallem die E-books, für die es keine Preisbindung gibt, was die kleinen Läden unter Druck setzt, bedroht.

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Prinzessin

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Re: [Buchberufe] Buchhandel
« Antwort #1 am: 19. Dezember 2014, 19:20:37 »
DANKE!!!!!!!!  :)
“I’m not a psychopath, Anderson. I’m a high-functioning sociopath. Do your research.”
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Offline Thiod

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Re: [Buchberufe] Buchhandel
« Antwort #2 am: 19. Dezember 2014, 23:18:30 »
Bitte. Wie gesagt, ist nur Schülerpraktikumswissen, hatte nur halt noch recht viele Details in meinem Praktikumsbericht nachlesen können.

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Johann83

  • Gast
Re: [Buchberufe] Buchhandel
« Antwort #3 am: 16. Februar 2019, 05:01:50 »
Vielen Dank