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Autor Thema: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?  (Gelesen 6048 mal)

Offline Writing_Chrissi

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Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« am: 01. Juni 2014, 23:14:35 »
Doch, das ist ziemlich schwer, wenn man Ausrufe wie "Oh Gott!", "was zum Teufel?" oder "Um Himmels Willen" nicht verwenden kann, da die Charaktere diese Begriffe gar nicht kennen. In ihrer Welt existieren Gott, der Himmel und der Teufel nicht. Allerdings weiß ich auch nicht, welche "Ausrufe" ich verwenden könnte, die ungefähr dasselbe meinen. Mir juckt es nämlich jedes Mal in den Fingern, einen der oben genannten zu verwenden, muss mich dann jedoch immer bremsen, da meine Figuren so etwas niemals sagen würden.
Mich würde jetzt einfach mal interessieren, wie ihr mit einem solchen Problem umgeht und ob ihr vielleicht irgendwelche Tipps für mich habt :D
Danke, im Voraus ^^
Lg Chrissi
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Offline Janika

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #1 am: 01. Juni 2014, 23:18:37 »
Nicht wirklich nur ein Fluch, aber in meinem einem Projekt haben die einzelnen Greifenarten ihre eigenen Ausrufe, wenn sie eben fluchen oder aber etwas schwören/einfach nur etwas bekräftigen wollen. Das ist dann ihrem Lebensraum angepasst. "Bei den fernen Bergen!" sagt die eine Gattung zum Beispiel.

Im mittelalterlichen Setting können die Menschen bei ihren eigenen Gottheiten oder dem verstorbenen König o.Ä. fluchen. Im allgemeinen sind "verhasste" Legenden- und Märchenfiguren auch immer gut geeignet.
Immer eine Handbreit Plot unter dem Federkiel haben!

Offline Writing_Chrissi

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #2 am: 01. Juni 2014, 23:22:00 »
Danke :) Ich glaube, so ungefähr lässt sich das sogar in meinem Buch verwirklichen.
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Offline KaZuko

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #3 am: 02. Juni 2014, 08:57:58 »
Bei solchen Flüchen ist es nötig, wichtinge Dinge der Kultur zu verwenden. Hast du in deinem Projekt etwas, das heilig ist? Oder auf das die Leute besonderen Wert legen? Oder das sie vielleicht benutzen, um zu überleben/ihr Land zu schützen/Frieden zu wahren/etc.?

In meiner Trilogie war den Leuten ihr Gott Casus sehr wichtig sowie das Feuer, da es zum einen Casus' Wahrzeichen ist und zum anderen auch von ihnen zur Verteidigung genutzt werden kann. Schlussendlich kamen bei mir dann folgende Flüche zum Einsatz:
"Bei Casus!"
"Beim Heiligen Feuer!"
"Bei allen Feuern!"

Zusätzlich habe ich mir ein Synonym zu 'verdammt' einfallen lassen, da das mittlerweile recht ausgelutscht ist. Es kam zu: 'seelenverfolgt', also einem Wort, das Beschreibt, dass jemand oder etwas derart bösartig oder schlecht ist, dass er von guten (oder schlechten?) (Geister)Seelen verfolgt wird. Wat weiß ich. Da kann man sich ein paar Dinge einfallen lassen.

Grüße,
Kazu
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff

Offline Thiod

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #4 am: 02. Juni 2014, 09:04:23 »
Ich kenne dieses Problem auch. Ich halte es dann auch meist, wie Janika vorgeschlagen hat. Ich nehme irgendwelche Äquivalente aus der entsprechenden Welt. Oder ich vermeide Formulierungen dieser Art, bei manchen Sorten von Leuten macht auch das Sinn.
Und was "verdammt" und "verflucht" angeht, benutze ich sie schon, aber ich frage mich manchmal, ob sie nicht auch eigentlich etwas kulturelles im Hintergrund stehen haben, das man bedenken muss. Ich meine "verdammt" kann jemand/etwas ja nur in einer Welt sein, in der man das Konzept eines Bannes oder einer Ausstoßung in einem spirituelleren Sinne kennt.
Eine andere Sache, an die ich gedacht habe, als ich den Titel dieses Themas gelesen habe, waren weniger diese Ausrufe des Schocks, als eher schimpfendes Fluchen - das finde ich persönlich nämlich immer sehr schwer (und lasse es daher weg, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt).

Viele Grüße,
Thiod.
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Offline Writing_Chrissi

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #5 am: 03. Juni 2014, 08:47:25 »
Danke erst einmal für eure Antworten :)
Ich verwende "verdammt" und "verflucht" auch. Vor allem, da diese Flüche auch keine Namen beinhalten und quasi auf alles übertragbar sind.
Ihr habt mich auf eine gute Idee gebracht! Vielen, vielen Dank! :)
Lg
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Offline Thiod

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #6 am: 03. Juni 2014, 13:40:43 »
Gerne doch, auch wenn Janika die hauptsache ja schon gesagt hatte :D.

Viele Grüße,
Thiod.
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Offline lamarie

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #7 am: 09. Juni 2014, 21:26:09 »
In meiner Trilogie war den Leuten ihr Gott Casus sehr wichtig sowie das Feuer, da es zum einen Casus' Wahrzeichen ist und zum anderen auch von ihnen zur Verteidigung genutzt werden kann. Schlussendlich kamen bei mir dann folgende Flüche zum Einsatz:
"Bei Casus!"
"Beim Heiligen Feuer!"
"Bei allen Feuern!"

Ich muss zugeben, dass ich mich mit vielen ausgedachten Flüchen nicht anfreunden kann, weil sie mir zu aus der Luft gegriffen erscheinen. Deine finde ich aber wirklich top, vor allem weil du sie so gut begründen kannst!

Offline Thiod

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #8 am: 09. Juni 2014, 23:52:51 »
Ich kann mich da lamarie anschließen. In der amerikanischen Comicreihe "Abenteuer in der Elfenwelt" (Original: Elfquest) ruft das Wüstenvolk immer "große Sonne" und die Schneeelfen "Beim großen Eiswall". Besonders letzteres finde ich ziemlich albern. Die Wolfsreiter dagegen sagen immer "bei Timmorns Blut" - das ist ihr mystischer Vorfahr und es passt, da sie eine Art Ahnenreligion haben.
Ich selbst versuche deshalb immer, die Sachen nicht zu gestellt und wirken zu lassen. Sonst kommt noch irgendwann was raus wie "Zur heiligen Wallstreet" - obwohl das schon wieder eher Satire wäre...

Okay, sorry, das hatte gerade keine echte logische Ordnung mehr, was ich geschrieben habe...

Viele Grüße,
Thiod.
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Offline Writing_Chrissi

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #9 am: 12. Juni 2014, 23:18:16 »
XD

Also ich habe mich jetzt auf sowas wie: "Bei allen Seelen Tamashîs!" festgelegt. Naja, vielleicht nicht ganz so, aber irgendwas mit Tamashî sollte es beinhalten :D
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Offline Thiod

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #10 am: 14. Juni 2014, 18:31:47 »
Och, klingt doch gut.

Viele Grüße,
Thiod.
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Offline KaZuko

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #11 am: 15. Juni 2014, 16:34:33 »
Also die Wallstreet ist wirklich albern, aber ich finde, wenn es ein fester Bestandteil einer Kultur oder sogar Religion ist, kann man die große Sonne, den Eiswall, das Blut und die Seelen von Chrissi durchaus durchgehen lassen. Vor allem gewöhnt man sich rasch an neue Ausdrücke und Namen, sodass es schon bald nicht mehr albern klingt, sondern einfach 'normal' für das entsprechende Volk (zumindest ist das bei mir so).

Und danke für das Lob, Lamarie. :)

Grüße,
Kazu
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Offline Yona

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #12 am: 28. Februar 2017, 17:33:08 »
Da mir empfohlen wurde, alte Threads aufzuwecken, mach ich das dann mal.
Also die ganzen Flüche mit dem "Beim (Ein Gott, berühmte Person) ........" find ich ehrlichgesagt ziemlich einfallslos und... na, unrealistisch. Niemand sagt so etwas. Es liest sich nicht so gut.
Dreckig geht eigentlich in jeder Zeit. Also "Das waren Darius und seine dreckigen Kumpanen..".
Da es alles zusammenfasst: "Himmel und Erde, was soll der Blödsinn?...."
Derbe Flüche fürs Fußvolk brauchen gar nicht sooo viele abgewandelt werden.
"Dampfende Scheiße", "Verflucht", "Verdammt ("Verdammich"), "Jämmerlich" und so gehe ja eigentlich immer.

Ein paar selbst erfundene Ausdrücke (Es kann natürlich sein, dass irgendwo auf der Welt eine Menschenseele den selben Gedanken hatte....):
"Rotz und Kotze, das ist ein Bulle!"
"Bei meinem kleinen Zeh, ich schwöre bei meinem kleinen Zeh!"
"Da macht der einen auf tausend Pferde und jetzt.... "

selbst erfundene Sprichwörter:
"Du kannst versuchen einen Spaten aus Gold zu machen, es hindert dich keiner."
"Lieber ein Pferd am Zaun als einen Löwen in der Stube"
"Dir bringt der größte Sieg nichts, wenn du bei der vorherigen Schlacht gefallen bist."

Offline Thiod

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #13 am: 01. März 2017, 02:03:14 »
Naja, die 'Beim...' sind schon etwas ausgelutscht, aber die Namen wichtiger Götter/Personen anzurufen, ist durchaus nicht unrealistisch (obwohl ich niemanden kenne, der es mit 'bei' formuliert im echten Leben, da gebe ich dir recht).
Aber christliche Klassiker sind ja 'oh, Gott', 'Jesus!' 'Jesus, Maria und Joseph!' - oder 'Um Gottes Willen!', 'Gütiger Gott!' usw. da kann man natürlich Fantasy-Equivalente von bilden - oder versuchen in historischen Texten zu recherchieren, wie man beispielsweise im Alten Rom geschworen und geflucht hat (keine Ahnung, ob man da was findet, ich habe es noch nicht versucht).
Aber die nicht-religons-bezogenen Beispiele sind in der Tat auch sehr häufig, es gibt einfach verschiedene Felder von Flüchen und Schwüren, Schimpfwörtern und Aussprüchen. Selbst wenn es nur um Wut- Überraschungs- und Schreckensausrufe geht.
Aus dem echten Leben kennt man ja eine Menge: 'Ach du grüne Neune!', 'Verdammte Axt!', 'Heiliger Bimbam!', 'Meine Güte!', 'Ach du liebes Bisschen!'
Die sind alle auch recht Setting-neutral, denke ich. (Obwohl man argumentieren kann, dass 'Meine Güte' nur in einer Kultur natürlich wirkt, in der Güte als ein wichtiger moralischer Wert angesehen wird).

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Thea

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Re: Das Fluchen - doch gar nicht so schwer... oder?
« Antwort #14 am: 01. März 2017, 15:40:58 »
Hach, der große Vorteil an Urban Fantasy. Meine Leute können ganz normal unserer Kultur entspechend fluchen. Hm, ich glaube, das führe ich beim nächsten Mal, wenn mich jemand nach dem Grund für das Genre fragt, an.  :P
Mir ist aufgefallen, dass meine Charaktere nie wirklich fluchen, es sei denn, es ist NaNo. Im NaNo haben sie ganze Tiraden allein aus Flüchen vom Stapel gelassen, weil es natürlich den Count schon in die Hähe treibt.
Ansonsten heißt es bei mir nur "Er fluchte leise vor sich hin" oder so.

Yona, hast du Lust dein letztes Sprichwort zu erklären? Entweder ich verstehe es falsch, oder ich habe eine andere Ansicht.
Und weil du meintest "Verflucht" und "Verdammt" gehe immer: Bei Fantasy wäre ich auch damit vorsichtig. Wenn echte Flüche, Bannzauber, etc. existieren können diese Ausrufe ganz schnell falsch aufgefasst werden, denke ich.

Thiod, das hört sich aber nach einer ganz schönen Recherchearbeit an. Es würde mich interessieren, ob das schon mal jemand gemacht hat.
Liebe Grüße,
Thea
Je mehr Achtung du auf Worte verwendest, desto mehr verlangen sie - Luther