0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Autor Thema: Unmögliches beschreiben  (Gelesen 7430 mal)

Offline KaZuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Get away. Run away. Fly away.
Unmögliches beschreiben
« am: 11. November 2013, 13:03:50 »
Hallo, Phanta-Menschen.

Ich habe eine kleine Aufgabe für euch: Beschreibt das Unbeschreibbare. Aber was genau ist unbeschreibbar? Nun, meiner Meinung nach dürfte eigentlich niemand davon schreiben, zu sterben, man hat es ja nicht erlebt und dürfte daher kaum wissen, wie es sich anfühlt, den letzten Atemzug zu tun. Oder, um es von der anderen Seite anzugehen, vom Tod zurückgeholt zu werden bzw. eine Nahtoderfahrung zu machen: Wer hat so etwas denn schon erlebt?

Nun, ob erlebt oder nicht - genügend Autoren packen ihre Sprachkoffer aus und schustern Absätze über den Tod, das zum-Leben-Erwachen, Krankheiten (die sie nie hatten) und Reisen in die Psyche, die sonst nur erfahrenen Psychologen gelingen. Seid ihr auch solche Meister der Fantasie über Dinge, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann? Wie beschreibt ihr ähnliche Dinge in euren Projekten?


Ich werde einmal den Anfang mit zwei Beispielen machen, die in meinen Schreibereien vorkommen:

Das Sterben
Sie hatte nicht erwartet, wirklich auf einem Grund aufzukommen. Eher, dass das Spiel einfach aufhören würde, ihren Tod akzeptieren würde. Stattdessen spürte sie, wie ihre Schulterblätter mit einem Knirschen auf den Stein trafen. Wie ihr Hals noch während des Aufschießens von Schmerzen splitterte. Wie ihr ganzer Körper zerbrach und Blut sie von innen füllte. Während eines winzigen Augenblicks, der angefüllt war von gar unnatürlichen Qualen – unnatürlich, weil es nicht sein durfte, dass ein Lebewesen die Schmerzen seines Todes in voller Gänze erfassen konnte – war Kaylee klar: Sie war gerade gestorben.
Dann ging alles ganz schnell: So laut, dass es in ihren Ohren schmerzte, hörte sie sich selbst halb erstickt nach Luft schnappen. Lichter, Bilder rasten auf sie ein und Geräusche prasselten nieder, während die Spielliege unter ihr im Takt mit den Krämpfen ihres Körpers bebte. Ihr Hals war noch immer gebrochen! Sie konnte fühlen, wie literweise Blut aus ihrer Kehle sprudelte und sich selbst kreischen hören, als wäre es nicht sie, sondern die Schmerzen selbst, die ihre Grausamkeit in die Welt schickten! – Plötzlich war es dunkel.


Eine Seele beginnt, auf einem Planeten zu existieren
Es fühlte sich an, als packe das Leben selbst zu, mit kühler, kräftiger Hand. Keine Erinnerung an ein Davor, keine Kenntnis von  Diesseits und Jenseits, von Licht und Schatten, von jeder möglichen Ordnung oder Chaos, ein scheinbar grundloses Erwachen aus … woraus? Die ersten Fragen entfachten als erste Gedanken und zwischen dem Wirrwarr an Worten, die es erst als Worte zu erkennen und verstehen galt, gab es doch etwas, eine einzige Sicherheit: Plötzlich und ohne weiteres existierte ich. – Ich? Etwas wuchs in mir, ein Selbstbewusstsein, das sich noch an meine inneren Wände klammern musste, um nicht wieder zu zerfallen. Es ermöglichte mehr und mehr, mein Selbst zu begreifen, während die Schwärze, die sich mittlerweile als solche benennen ließ, allmählich zurückzog. Und hinter der Schwärze, indessen meine Gedanken um Grund, Zweck und Art meiner Existenz kreisten, erwachte das tiefdunkle Grün eines Waldes bei Nacht.


Ich bin gespannt, welche Unmöglichkeits-Schöpfungen ihr hervorgebracht habt. :)
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff

Offline Writing_Chrissi

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • No matter what, don't ever stop doing your thing!
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #1 am: 12. November 2013, 18:42:21 »
Bin mir gerade nicht sicher, ob das genau in dieses Board gehört, weil es ja eigentlich was mit Schreiben zu tun hat  :-\
Aber eine schöne Idee!
Zitat
Nun, meiner Meinung nach dürfte eigentlich niemand davon schreiben, zu sterben, man hat es ja nicht erlebt und dürfte daher kaum wissen, wie es sich anfühlt, den letzten Atemzug zu tun. Oder, um es von der anderen Seite anzugehen, vom Tod zurückgeholt zu werden bzw. eine Nahtoderfahrung zu machen: Wer hat so etwas denn schon erlebt?
Genau das habe ich mich auch schon öfter gefragt ;) Aber die Fantasie macht uns Autoren aus, also wieso sollte man dann nicht auch das Unmögliche beschreiben können? Jeder tut es anders, aber vorstellen kann man es sich später trotzdem :) Etwas, auf das ich ehrlich gesagt schon ein bisschen stolz bin ;) Und darauf kann man auch stolz sein!
Aber das ist ja kein Quassel-Thread, also stelle ich mal meine selbstverfasste Sterbeszene vor (ich muss noch etwas daran feilen, aber an sich sagt sie schon viel aus) :

[...] Als ich Sophias Ruf hörte, war es schon zu spät. Ich sah etwas Silbriges aufblitzen, dann traf mich Leons Messer mit voller Wucht.
Schmerz explodierte in meinem Kopf, während alles vor meinen Augen verschwamm und ich fiel. Tiefer und tiefer. Ich konnte nicht mehr atmen, konnte mich nicht bewegen, nicht sprechen. Jemand rief meinen Namen, verzweifelt schluchzend. Eine verschwommene Gestalt beugte sich über mich, schüttelte mich und rief meinen Namen wieder. Es war Benni. Plötzlich tat mir das, was ich zu ihm gesagt hatte, dass ich ihn geschlagen hatte, so leid. Aber etwas in meinem Innern sagte mir, dass es zu spät war. Ich würde mich nie bei ihm entschuldigen können.
Am Rande meines Blickfeldes tauchte eine weitere Gestalt auf. "Lia! Bitte, sei nicht tot!", flehte Sophia, "Benni tu doch was!"
"Beiseite!", mischte sich eine andere Stimme ein.
"Alex...Lia! Hilfe!", stieß Sophia mühsam hervor.
Plötzlich drehte sich alles und ich glitt in die Dunkelheit hinab. Das Letzte, was ich hörte, war Sophias Schrei, der sich mit Leons Lachen vermischte.


Was mir auffällt ist, dass es bei uns Beiden mit der Dunkelheit endet und unsere Figuren den "Sterbeprozess" noch bei halbem Bewusstsein mitkriegen. Sehr interessant, denn das zeigt meiner Meinung nach, dass wir unsere Vorstellungen, wie das Sterben sein könnte, teilen... (Oh, klingt das jetzt seltsam :D ) Ich bin mir aber sicher, dass wir nicht die Einzigen sind, die es so beschreiben würden  ;D

Lg Chrissi

Nimm dir Zeit für deine Träume, bevor die Zeit dir deine Träume nimmt!

Offline Thiod

  • Obermotz
  • *****
  • Geschlecht: Weiblich
  • The bunny is evil! (He killed the carrot.)
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #2 am: 15. November 2013, 23:05:33 »
Hallo!
Ich muss ehrlich sagen, mir gefällt dieses Thema sehr gut. Allerdings ist mir beim darüber Nachdenken aufgefallen, dass doch sehr viele Elemente - gerade in der Fantasy - solche sind, die man noch nie erlebt hat. Wer von uns ist schonmal durch ein Dimensionstor gegangen? Wer von uns kann Zaubern? Wer hat schon einmal wirklich auf Leben und Tod gekämpft? Wer schon einmal getötet? Nur als Beispiele - selbst im nichtphantastischen Bereich lassen sich viele finden - bestehen unsere Geschichten nicht an sehr vielen Stellen aus diesem "unbeschreiblichen"?
Aber um beim Tod-Thema zu bleiben hier aus dem Epilog von "Der Kampf des Freien Garia":
Es war, als fiele sie durch ein sehr tiefes, dunkles Wasser, während sie fiel lief  ihr Leben an ihr vorüber wie ein Film, den man zurück spult und mit jedem der Bilder, das sie sah, kam sie sich selbst, ihrer Seele ein Stück näher und sah klarer, wer sie eigentlich war.
 Jenn war ihr irdischer Name gewesen, doch der Name, der schon seit ihrer Geburt in ihrer Seele geschlummert hatte und den sie nun als Stern tragen würde, lautete Gaë. Ihr ganzes, kurzes Leben schien ihr nun fern, wie eine Geschichte, die man sehr gut kennt, die aber schon zuende erzählt ist.
Der Sturz durch die Dunkelheit endete an einem Ort blendender Helligkeit. [...]


Vielleicht finde ich auch noch zu einem anderen "unschreibbar"-Thema etwas, aber das war's erst Mal.
Viele Grüße,
Thiod.

P.S. @Kazu: Sind deine eigentlich aus Projekten oder hast du sie eigens für den Thread geschrieben?

Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline KaZuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Get away. Run away. Fly away.
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #3 am: 16. November 2013, 08:26:09 »
Verdammt, das war seltsam. Chrissi, ich hätte schon früher geantwortet, aber irgendwie ist mir total entgangen, dass du in diesem Thema geschrieben hast. o.o

Ich finde eure beiden Sterbeszenen sehr interessant. Was mir im Gegensatz zu meiner auffällt, ist, dass bei euch noch Aspekte des Lebens mit einfließen (die Reue wegen Benni, das Leben, das als Film vorbeizieht). Ich hatte nichts dergleichen eingeflochten - vielleicht, weil ich der Meinung war, dass man beim Sterben nicht unbedingt den Nerv hat, noch groß über Vergangenes nachzudenken, vielleicht weil Kaylee glaubte, dass es nicht endgültig sei (was es schlussendlich auch nicht ist), vielleicht aber auch, weil ihr Tod ein schneller Tod war, der innerhalb von Sekunden vollzogen war und ihr keine Zeit für Gedanken ließ. Wer weiß? Vermutlich würde auch ich mich noch ein oder zwei Aspekten widmen, hätte ich vor dem Abdriften in die Dunkelheit Zeit, mir über ein paar schiefgelaufene (oder schöne?) Dinge Gedanken zu machen.

Was ich bei dir, Thiod, noch überaus interessant finde, ist der Name Gaë, der - wie du sagtest - von Anfang an in der Seele des Charakters gelegen haben soll. Das erinnert mich an eine Idee, die ich für ein längeres Projekt hatte, in dem es sich um eine Art Leben-nach-dem-Tod drehen würde. Mir gefällt die Idee sehr gut, Respekt dafür. Da tut sich mir außerdem die Frage auf, ob diese Gaë im weiteren noch eine Rolle spielt, oder ob diese eine und erste Benennung zugleich auch die letzte war. Lust, davon zu erzählen? :)

Grüße,
Kazu

PS: Meine Sterbeszene kommt aus einer Stargate-Fanfiktion, in der Kaylee auf einer Mission in einem Computerspiel von Außerirdischen bewegt, das allerdings ein wenig schief läuft. Die Szene des Erwachens war Beginn eines abgebrochenen Nebenprojekts, die ich jetzt jedoch für mein neues Großprojekt verwende, weil es einfach zufälligerweise so wunderbar passt. :D Warum fragst du?
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff

Offline Thiod

  • Obermotz
  • *****
  • Geschlecht: Weiblich
  • The bunny is evil! (He killed the carrot.)
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #4 am: 17. November 2013, 12:34:49 »
@ Kazu: Oh, aus purer Neugierde. Und was meine Gaé (habe hier kein Tremma für das <e> finden können) angeht: Sie ist in meinem Garia eigentlich nur eine Nebenfigur, die mir zufällig in den Plot gerutscht ist und die ich, weil sie da gar nicht hingehörte, wieder getötet habe, aber sie war mir dann so lieb geworden, dass ich ihr einen Epilog im Jenseits gegönnt habe. Die Stelle hier ist der Anfang des Epilogs. In den geplanten anderen Bänden kommt sie nicht noch einmal vor, auch wenn ich noch ein, zwei Szenen mit ihr im Kopf hatte.
Und das es dich an eine eigene Idee erinnert, ist wirklich ein interessanter Zufall. Manchmal findet man ganz eigenartige Paralellen in einzelnen Details, liegt vielleicht daran, dass man in der selben Kultur lebt, daher etwa die selben Sagenwelten und co. kennt und so bei seiner Ideenfindung auf ähnliche Grundvroraussetzungen zurückgreift, aber ich glaube, bei unseren Ideen ist doch nur ein relativ kleiner Teil ähnlich, denn meines ist wie gesagt keine richtige Geschichte im Jenseits nur ein 4-seitiger Epilog.

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Miezekatzemaus

  • Mittelstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Schreiben bedeutet Freiheit!
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #5 am: 17. November 2013, 16:20:48 »
Ich finde, es ist schwierig bis unmöglich, die Reise durch ein Portal zu beschreiben. Hier ein Auszug aus meinem Roman dazu:

Jette hatte nur noch einen Gedanken. Warum nur jetzt? Warum nur ausgerechnet jetzt, wo sie Emmeline doch so nahe waren. Sie versuchte vergeblich, die Tränen zurückzuhalten, es gelang ihr einfach nicht, und so schluchzte sie hemmungslos, aber lautlos. Jenny war, wie sie aus dem Augenwinkel erkennen konnte, zwar deutlich blasser als sonst, und auch sie schien sich innerlich zur Ordnung zu rufen. Aber sie weinte nicht. Sie schien sich einzig und allein darauf zu konzentrieren, ihren Körper zusammenzuhalten. Jette zögerte kurz, dann tat sie es ihr nach. Dorothee hatte die Augen weit aufgerissen und ihr Schrei hielt immer noch an, sie konnte ihn nicht stoppen. Der Flug durch das silberne Licht schien diesmal wesentlich länger zu dauern, als beim letzten Mal. Als sie in diese Wüste gekimmen waren, hatte das nur ein paar Sekunden gedauert. Es fing an, die Grenzen des Bewusstseins zu übersteigen. Dorothee kämpfte. Sie war schon immer eine Kämpfernatur gewesen, sie gab nicht nach. Vergeblich arbeitete sie gegen die Bewusstlosigkeit. [...]

Lg, Mieze :D

Offline Writing_Chrissi

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • No matter what, don't ever stop doing your thing!
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #6 am: 17. November 2013, 19:22:36 »
Stimmt Mieze :) Ich habe auch eine Portal-Szene, die ich hier schreiben könnte :

„Was zum…“, setzte Cleo neben mir an, doch sie kam nicht mehr dazu den Satz zu beenden. Funken sprühten durch den niedrigen Gang, dann wurden wir von den Füßen gerissen und in das Licht hineingesogen.

Rasend schnell wirbelten die Farben um mich herum und machten mich ganz schwindelig. Eigentlich hätte ich Angst haben müssen, aber stattdessen war ich von einer seltsamen inneren Ruhe erfüllt.
Ich hatte keine Ahnung wo meine Freundinnen waren. Ich versuchte nach ihnen zu rufen, aber meine Kehle war wie zugeschnürt, während ich weiter herumgeschleudert wurde.
Rot, blau, grün, gelb, pink; irgendwann hörte ich auf, auf die Farben zu achten, die an mir vorbeischossen. Vielmehr konzentrierte ich mich darauf, wie ich es anstellte, hier herauszukommen. Doch da ich immer noch keine Ahnung hatte, was das hier überhaupt war, wo ich mich befand  und was passiert war, als ich die Lichtwand mit dem Stock berührt hatte, schien mir meine Situation ziemlich ausweglos zu sein.
Jetzt wo ich an den Stock dachte, wurde mir bewusst, dass ich auch ihn nicht mehr spürte. Ich musste ihn wohl fallen gelassen haben, nachdem das hier passiert war. Abrupt wurden meine Gedanken unterbrochen, als die Farben um mich herum immer heller wurden und ich die Augen schließen musste, um nicht geblendet zu werden. Ich hatte das Gefühl, als würde etwas von allen Seiten an mir reißen, dann schlug ich hart irgendwo auf.


So stelle ich mir die Reise durch ein Portal vor ;)
LG
Nimm dir Zeit für deine Träume, bevor die Zeit dir deine Träume nimmt!

Offline KaZuko

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Get away. Run away. Fly away.
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #7 am: 17. November 2013, 19:44:23 »
Ah, Portale - ja, da so etwas bei mir nicht existiert, könnt ihr euch fröhlich stimmen: Ich konnte mich bei beiden Texten hineinfühlen, und weil sie ungefähr ähnlich sind, weiß ich nun, wie sich eine Reise durch ein Portal anfühlt. Muss ziemlich aufregend sein. :3

Und Mieze: An dich muss ich mal ein diiickes Lob aussprechen. Auch wenn sich ein paar Tippfehler in deinem Text durchgesetzt haben, war ich sprachlos bis schockiert aufgrund deines außerordentlich guten Schreibstils! Ehrlicherweise hätte ich so etwas bisher nicht von dir erwartet, du hast mich ehrlich vor den Kopf gestoßen. Einen großen Respekt meinerseits für eine so junge Person, die schon in diesem Alter einen solchen Stil entwickelt hat. (Ich bin neidisch.)

Grüße,
Servi
Kazu
Und meine Seele spannte ihre Flügel aus. -  Joseph von Eichendorff

ImaginaryFriend

  • Gast
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #8 am: 17. November 2013, 21:53:21 »
So viele Portalszenen. :D Da will ich auch eine beisteuern.
Meine ist ein ganzes Stück älter, mindestens drei Jahre. Mein Schreibstil also noch nicht so toll. Aber sie passt gerade so gut hier her, vor allem weil ich zusätzlich noch etwas anderen "Unmögliches" beschreiben musste. Und das hat weniger mit Gefühlswelten, Tod und Magie zu tun, sondern mehr mit tatsächlichen Vorgängen. Die finde ich nämlich meistens noch unmöglicher zu beschreiben, als alles gefühlsmäßige.
Ich hatte eine total bunte Vorstellung von meinem Portal, mit all seinen Zahnrädern und den sich auflösenden Wänden... und bin total daran gescheitert diese Vorstellung aufs Papier zu bannen.
So hat mein 15(?)-jähriges Ich das Ganze schlussendlich gelöst:

Zarana riss die Augen auf. Um das Glas mit dem Elixier lösten sich die Wände immer weiter auf, sie wurden durchsichtig, unsichtbar, als wären sie nie da gewesen. Lediglich ein energetisches Vibrieren und Blitzen verriet, dass sie nicht vollkommen verschwunden waren. Hinter ihnen kam etwas zum Vorschein, das aussah wie ein riesiges Uhrwerk. Goldene Zahnräder drehten sich vor und zurück, griffen in perfekt synchronen Rhythmen ineinander. Schrauben und Federn fügten sich nahtlos in die komplizierte Mechanik und große, durchsichtige Pumpen trieben das Elixier durch den Mechanismus. Es musste die Energie sein, die ihn antrieb.
Die Wand, durchzuckt von Blitzen, begann sich zu drehen. Erst kam sie langsam inBewegung, wurde dann immer schneller und schneller und schneller... Zarana starrte in das Uhrwerk, das hinter den durchscheinenden Wänden zu verschwimmen begann. Sie verlor sich zwischen den goldenen Zahnräder, den Schrauben, Federn und Pendeln, fühlte sich nicht mehr wie sie selbst. Sie fühlte Zypros aufgestelltes Fell unter ihren Fingern, fühlte wie ihr Körper fortgezogen wurde, fort von dieser Welt.
Und irgendwann fühlte sie gar nichts mehr.


Ihr habt alle übrigens wirklich tolle Szenen geschrieben und ich muss auch sagen, von Mieze bin ich immer wieder beeindruckt. Ich konnte mit 11 noch nicht so ausgereift schreiben! Bin echt beeindruckt.
@Kazuko: Deine Erwachen-Szene finde ich total toll, vor allem die ersten paar Sätze!

Offline Writing_Chrissi

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • No matter what, don't ever stop doing your thing!
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #9 am: 17. November 2013, 22:08:56 »
Wow Toni!
Dein 15-jähriges Ich hat das ganz fantastisch gelöst ;) Finde ich jedenfalls.
Das ist wirklich eine ganz andere Vorstellung,wie ein Portal zu sein hat. So hätte ich das nie gesehen. Zumindest ist mir der Begriff "Das Unmögliche beschreiben" jetzt ein bisschen geläufiger geworden :D
Wir stellen es uns vor, wollen auf´s Selbe hinaus und doch kommt etwas ganz anderes dabei heraus (Obwohl es das Gleiche aussagt).
*Verwirrung an, nochmal lesen, Verwirrung aus* :D

Lg
 :-X Oh, stimmt hätte ich jetzt total vergessen  :-X Auch ich muss mal ein Lob an Mieze aussprechen! Hätte ich nicht gewusst wie alt du bist, hätte ich nicht erwartet, dass dieser Text von einer 11-jährigen stammt. Du kannst stolz auf dich sein!!!
Nimm dir Zeit für deine Träume, bevor die Zeit dir deine Träume nimmt!

Offline Thiod

  • Obermotz
  • *****
  • Geschlecht: Weiblich
  • The bunny is evil! (He killed the carrot.)
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #10 am: 18. November 2013, 15:15:20 »
Also Mieze, was deinen Schreibstil angeht, kann ich den anderen nur zustimmen. Ich erinnere mich, dass mein Stil zumindest sehr schwankend war und nur etwa alle 10 Seiten mal drei gute Sätze enthielt, so etwa.
Und Portal-Szenen... bei mir gibt es auch einen Weltenwechsel, aber der ist nicht so spektakulär und ein wenig Narnia-inspiriert, daher wäre es wohl nicht so fruchtbar, ihn hier reinzustellen.
@ Toni: Oja, dass man eine ganz genaue Vorstellung von einem Ort hat, es dann aber schwer findet, sie so auszudrücken, dass sie in die Stimmung passt und nicht zu einer Detailbeschreibung ausartet, die dann nurnoch sachlich und wissenschaftlich-akribisch erscheint, dennoch aber auch genug zu sagen, um beim Leser ein Bild zu erzeugen, dass dem vor dem eigenen inneren Auge möglichst nahe kommt - wirklich nicht leicht. Von deinem Portal habe ich eine gute Vorstellung - wie nahe sie deiner ursprünglichen, eigenen ist, kann ich natürlich nicht erraten ;D.

Viele Grüße,
Thiod
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Leseratte

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #11 am: 09. Februar 2014, 17:12:01 »
Hallo Ihr Lieben,

Ich weiß nicht, ob es unbedingt zu diesem Thema gehört, aber
ich hab mir grade überlegt, wie es ist, wenn man aufwacht und sich an nichts erinnert.

Ich denke, man ist natürlich erstmal verwirrt & hat vielleicht Schmerzen - falls davor ein Unfall war - aber irgendwie finde ich es ziemlich kompliziert, so etwas zu beschreiben...
 
Wie stellt ihr es euch vor? Habt ihr dazu einen Text?

LG
Leseratte


Offline Wolkentänzerin

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Worte sind Leben <3
Unmögliches beschreiben
« Antwort #12 am: 09. Februar 2014, 18:27:43 »
Hallo  :)
Ich habe gleich als ich dies gelesen habe, mich an zwei Ausschnitte aus zwei meiner Projekte erinnert. Beide sind nicht sonderlich gut geschrieben, wobei ich mit dem zweiten aber wesentlich mehr zufrieden bin als mit dem ersten. Ich denke, man kann es sicherlich besser lösen, doch vielleicht regt es ja jemanden an... Bei beiden habe ich mich beim Aufwachen ziemlich kurz gefasst, nun würde ich es wohl etwas mehr ausführen.
Hier das erste, aus Die magischen Drei. Geschrieben habe ich es mit zwölf Jahren und ich hoffe behaupten zu können, dass ich mich seitdem gesteigert habe. Lilli nimmt an einem illegalen Drachenrennen gegen ihre Rivalin teil, doch dabei stürzt sie.

Triumphierend hob Lilli die Arme hoch, doch dann verlor sie das Gleichgewicht und fiel und fiel... Auf einmal wurde alles schwarz.

Als sie wieder zu sich kam, hörte sie leises Stimmengemurmel und spürte im rechten Fuß einen pochenden Schmerz. Langsam öffnete sie die Augen.
„Wo bin ich? Was ist passiert?“, fragte Lilli schlaftrunken.
„Du bist auf der Krankenstation“, hörte sie Majas Stimme. „Du bist vom Drachen gefallen. Erinnerst du dich?“
Vage konnte sich Lilli an den Sturz erinnern.
„Und was ist mit meinem Fuß?“, wollte sie wissen.


Also ich denke man merkt, das Aufwachen an sich ist sehr kurz geschildert, vor allem weil ich Angst hatte, etwas falsches zu schreiben. Die Szene an sich ist noch länger, doch jetzt beim Durchlesen fällt mir auf, dass LIlli schon sehr schnell wieder bei klarem Verstand ist und sich gleich mit allen streitet... Nun gut.

Die zweite Szene stammt aus einem weitaus neueren Projekt, das aber im Gegensatz zum ersten nicht vollendet ist. Damals war ich vierzehn, als ich das geschrieben habe. Die Hauptperson, die in der Ich-Form erzählt, ist dabei, wie der Assistent ihres Vaters durch einen Unfall stirbt. Durch den Schock fällt sie in Ohnmacht.

Plötzlich spürte ich einen Brechreiz in mir aufsteigen und ein Schwindelgefühl durchfuhr meinen Körper. Dann wurde alles schwarz.
(...)
Vorsichtig öffnete ich die Augen. Der Raum vor mir war in strahlend helles Licht getauscht, durch ein großes Fenster über dem Bett kamen die warmen Sonnenstrahlen in volller Pracht.
Während ich mich in dem Zimmer umsah, wurde mir von Sekunde zu Sekunde klarer, dass es mir hier fremd war. Das Bett, in dem ich lag, war aus hellen Holz gemacht und mein Körper war von einer weißen Bettdecke bedeckt.  (...) Auf dem kleinen Kästchen neben dem Bett stand eine bemalte Vase mit einem Strauß Blumen, daneben lag mein Convita. Über dem Sessel hing mein grünes Kleid und auf dem Boden stand mein Koffer. Trotz dieser vertrauten Gegenstände wusste ich nicht, wo ich war. Schemenhaft konnte ich mich an den Besuch auf Ebene 10, die Abreise meines Vaters, den Ausfall des Systems und an Quintus Tod erinnern. Doch wo war ich jetzt?


Auch diese Lösung finde ich nicht die beste, aber ich mag es gerne, wenn man aus einer Ohnmacht so aufwacht, als hätte man nur lange geschlafen. Jedoch würde ich beide meiner Varianten nicht mehr so schreiben. Doch ich fand es ganz interessant, mal in meinen alten Dokumenten zu kramen, und vielleicht ist es ja trotzdem für jemanden eine Inspiration.  Trotzdem musste ich peinlicherweise feststellen, dass ich mich bei beiden Ausschnitten damals nicht sehr lange mit den Gefühlen beschäftigt habe, wodurch diese nicht zu meinen besten Szenen zählen. Aber jetzt habe ich wieder etwas gelernt.  ;)
LG Wolkentänzerin
Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.
Rosa Luxemburg

Offline Leseratte

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #13 am: 09. Februar 2014, 19:04:09 »
Hallo Wolkentänzerin und vielen Dank für deine Antwort,

Die beiden Situationen sind - finde ich  - nicht schlecht geschrieben.
Doch sie spiegeln noch nicht ganz wieder, was ich meinte. Ich hatte mir eher ein Aufwachen mit völligem "Nichts-Wissen" vorgestellt, also irgendwie auch ganz alleine.
Das ist eher der zweite Teil, doch da würde ich es sogar auch so schreiben, dass sie nicht einmal weiß, dass es ihr Kleid und ihr Koffer ist.

Aber natürlich stellt sich das jeder anders vor & schreibt es dementsprechend auch unterschiedlich. :)

LG
Leseratte

Offline Writing_Chrissi

  • Oberstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • No matter what, don't ever stop doing your thing!
Re: Unmögliches beschreiben
« Antwort #14 am: 09. Februar 2014, 23:03:08 »
Ich weiß nicht, ob dir das hilft, aber einen Versuch ist es wert. Wir haben hier ein "Folge-Geschichten-Spiel" und Layla, eine Hauptperson, wacht gerade auf, nachdem sie lange bewusstlos war. Ihre Erinnerungen kommen zwar zurück, aber erst weiß sie nicht, was los ist:

1.Teil von Heldenschmied geschrieben:
Layla kam zu sich. Wieder einmal lichtete sich ihr Verstand und ihre Sicht langsam. Wie oft hatte sie nun schon das Bewusstsein verloren? Kraftlos erhob sie sich und begann durch den dunklen Gang zu trotten. Zu ihrer eigenen Verwunderung war sie sehr ruhig und dachte kaum an etwas. Einige Male kam sie an merkwürdig gestalteten Räumen vorbei, doch alle waren leer. Immernoch in Seelenruhe erreichte Layla eine Leiter am Ende des Tunnels. Mit zitternden Händen ging sie die Sprossen hinauf und stieß die Klappe am oberen Ende zur Seite. Licht strahlte ihr entgegen.


2. Teil von mir:
 
Geblendet hielt sie sich die Hand vor die Augen und ließ dabei die Leiter los. Hart landete sie auf dem Boden des Ganges. "Verdammt!", entfuhr es ihr, dann stutzte sie. Sie war nicht alleine gewesen, bevor sie das Bewusstsein verloren hatte. Irgendetwas war geschehen. Sie erinnerte sich dumpf an gellende Schreie und... einen Jungen? Eine Welle von Angst durchfuhr sie. Was ging hier vor?
"Ganz ruhig bleiben!", ermahnte sie sich selbst, "Denk nach!"
Da war etwas wichtiges, was sie nicht hätte vergessen dürfen. Sie zermaterte sich das Hirn, versuchte sich irgendetwas in Erinnerung zu rufen. Dabei nahm sie ihre Umgebung, die vom Licht der Luke erhellt wurde, genauer in Augenschein.
Sie war geflohen, daran erinnerte sie sich nun.
Ihre Augen glitten über kalte, graue Wände. Sie waren zu zweit gewesen. Sie und noch jemand.
War das dort ein Holzbalken? Sie schaute näher hin. Nein, da lag ein menschlicher Körper, halb im Schatten verborgen, mit dem Gesicht zur Wand. In einem plötzlichen Anflug von Furcht, krabbelte sie unbeholfen auf ihn zu und erstarrte. Gesichter und dazugehörigen Namen fügten sich in ihrem Kopf zu einem Bild zusammen. Crow, Adrian, David.
David! "Oh, nein, nein, nein, nein, nein!", flehte Layla stumm, als sie erkannte.


Ich hoffe, das macht es vielleicht etwas klarer.
Lg
Nimm dir Zeit für deine Träume, bevor die Zeit dir deine Träume nimmt!