0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Autor Thema: Zeitform  (Gelesen 11731 mal)

Offline Thiod

  • Obermotz
  • *****
  • Geschlecht: Weiblich
  • The bunny is evil! (He killed the carrot.)
Re: Zeitform
« Antwort #30 am: 19. Mai 2015, 21:12:10 »
Ja, wenn es inhaltlich nachvollziebar ist, kann man so einen Wechsel gut machen. Ich habe allerdings auch schon eine sehr überzeugende Geschichte im Präteritum gelesen, in der die ich-erzählende Prota stirbt. Es überrascht einen umso mehr, weil man die ganze Zeit glaubt, als Ich-Erzählerin könne sie nicht sterben und dann - bam! Ist also alles möglich...

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Yona

  • Mittelstufe
  • ***
  • Geschlecht: Männlich
  • Ich hab 100°C Goldfieber...
Re: Zeitform
« Antwort #31 am: 03. März 2017, 19:56:36 »
Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem der Prota stirbt, außer denen, in denen er wieder aufersteht (Wie in Harry Potter, Edelstein-Triologie (Egal wie sehr ich Liebesgeschichten hasse - das hab ich gelesen) und ...na ja, der Bibel). Eine Freundin hat mir aber von einem erzählt, Ich-Form, Zeitform weiß ich nicht, da wird am Ende, wo sie stirbt aus Sicht des Freundes erzählt. Sie fand das Buch bescheuert.
Ich schreibe am liebsten in Präsens, das ist direkter, da ist der Leser gleich mittendrin. Manchmal irritiert das, aber nicht oft. Es gibt Romane, bei denen ich es gar nicht gemerkt habe.
Außerdem: Es gibt ja auch Bücher, bei denen der  hin und wieder im Präsens schreibt. Beispielsweise: "Ich kann nicht sagen, dass es still war..."
Bei Tagebüchern ist das oft so. Die finde ich interessant, weil sie dem Autor die Freiheit für alle Zeitformen geben.
"Also ich steh da, Gestern, will mir Grad was zu trinken holen.."
"Ich stand da Gestern und wollte mir Grad was zu trinken holen..."
"Bin da gestanden..." und so weiter.

Offline Thea

  • Mittelstufe
  • ***
  • Geschlecht: Weiblich
  • Phantastaturisch!
Re: Zeitform
« Antwort #32 am: 04. März 2017, 14:55:21 »
Es kann sein, dass ich mich irre, aber ich finde, dass Protagonistentode zurzeit einen ziemlichen Trend darstellen.
Und ich musste grad echt lachen, als du HP, die Edelsteintrilogie, und dann die Bibel angeführt hast.
Genieß es, Bücher noch so lesen zu können, ohne auf die Zeitform und so zu achten. Ich finde, dass wird inzwischen einerseits von Seiten unseres Schulsystems, andererseits vom Selbst-Schreiben so antrainiert, dass man nicht mehr darum herum kommt. Mir zumindest geht es so, dass ich nicht mehr lesen kann, ohne auf den Stil zu achten, aber ich glaube, ich bin da nicht die Einzige.

Hach, ich bin meistens eine kleine Grammatik-Fanatikerin, deshalb regen mich Sätze wie der aus deinem Beispiel ("Ich kann nicht sagen, dass es still war") immer furchtbar auf, wenn sie einzig in den Büchern bleiben. Wenn es in einem Dialog oder so vorkommt, habe ich kein Problem damit, aber in der normalen Erzählform ... Es stört mich leider.

Hm, meinst du echte Tagebücher, zum Beispiel von Anne Frank oder anderen realen Leuten, oder Bücher, die als fiktives Tagebuch geschrieben sind? Bei Letzterem halte ich es eher für unseriös, die Zeitformen durcheinander zu würfeln. Immerhin ist diese Form ja eigentlich nichts Anderes als ein 'normales' literarisches Werk,-und da ist es nicht erlaubt, alle Zeitformen in einen Topf zu werfen.
Je mehr Achtung du auf Worte verwendest, desto mehr verlangen sie - Luther

Offline Thiod

  • Obermotz
  • *****
  • Geschlecht: Weiblich
  • The bunny is evil! (He killed the carrot.)
Re: Zeitform
« Antwort #33 am: 04. März 2017, 23:48:59 »
Bei Zeitform-Wechseln kommt es extrem auf dem Kontext an. In vielen Fällen wirken sie holprig.
Aber in einem Buch, in dem der Erzähler immer wieder in Erscheinung tritt (er muss nicht unbedingt wirklich als Person erscheinen, es reicht, dass er immer wieder außerhalb der Handlung Dinge sagt wie 'Hätten wir damals schon gewusst, was daraus erwachsen sollte' oder sich direkt an den Leser wendet), ist es nicht nur möglich sondern erforderlich, für diese Teile ins Präsenz zu springen.
Der Satz: "Ich kann nicht sagen, dass es still war." müsste so ein Erzählereinwurf sein. Obwohl ich eigentlich anstelle des 'dass' ein 'ob' erwarten würde, aber ich kenne ja den Kontext nicht. (Wenn es dagegen darum geht, dass die Icherzählerin innerhalb der Situation, von der sie berichtet, ihre Umgebung nicht als still bezeichnen konnte, dann müsste es im Präteritum sein).
Aber man kann mit soetwas auch endlos ins Detail gehen... um es wirklich detailiert betrachten zu können, braucht man in solchen Einzelfällen doch immer den ganzen Textabschnitt.

Viele Grüße,
Thiod.
Wissen ist Macht - Phantasie ist Freiheit

Offline Yona

  • Mittelstufe
  • ***
  • Geschlecht: Männlich
  • Ich hab 100°C Goldfieber...
Re: Zeitform
« Antwort #34 am: 05. März 2017, 12:00:55 »
Ich bin alles ander als ein Grammatikfan, ich mach das meisens wie es sich in meinem Ohr erträglich anhört. Ich setze auch die Kommas, wo ich finde dass es sich Kommamäßig anhört.
Aber ich glaube, ihr habt verstanden, worauf ich hinauswollte: Der Ich-erzähler sitzt da und errinnert sich daran, immer wieder kommen Einwürfe aus der Gegenwart.
 Ich meine Beides, und man sollte sich schon für eine For entschiden. Aber man kann halt auch so schreiben: "Jetzt sitze ich hier und schreibe...", wie ein bisschen in einem Brief.

@Thea: Ja, die Bibel war das erstbeste was mir nach zwei Beispielen eingefallen war.  :)