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Autor Thema: [April 2013] Bernd Robker / Bernard Craw / Robert Corvus - Phantastik  (Gelesen 10848 mal)

Offline Ann-Kathrin

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Dieser Thread ist für Fragen an Bernd Robker, der euch ab dem ersten April dafür zur Verfügung steht. Wir haben diesmal das Interview vorweg weggelassen, damit euch mehr Fragen bleiben.

Also, viel Spaß mit Bernd Robker.

Offline Janika

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Offline Writing_Chrissi

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Offline Jayda-Rose

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Offline Schattenfeuer

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Bernd Robker

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, diesen Monat bei Euch zu Gast zu sein.
Ich bin vierzig Jahre alt und lebe in Köln. In der Schule hatte ich Deutsch und Geschichte als Leistungsfächer, aber dann habe ich etwas ganz anderes studiert, nämlich Wirtschaftsinformatik. Mit meinem Diplom in der Tasche wurde ich erst Unternehmensberater, später Projektleiter. Zum 31. Dezember 2012 habe ich einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, sodass ich derzeit keinen anderen Beruf ausübe als die Schriftstellerei. Ich habe noch nicht entschieden, ob das so bleiben soll, oder ob ich lieber wieder nebenberuflich schreiben möchte.
In der Schule waren Aufsätze meine Lieblings-Hausaufgabe. Die erste Geschichte, die ich hauptsächlich deswegen verfasst habe, damit andere sie lesen, entstand, als ich sechzehn Jahre alt war. Meine Texte veröffentlichte ich anfangs im nichtkommerziellen Bereich, später kamen Beiträge in Anthologien dazu. Seit 2005 schreibe ich primär Romane, inzwischen haben es zwölf Stück auf den Buchmarkt geschafft. Geschrieben habe ich aber noch mehr, auf meiner Festplatte schlummern also noch einige Manuskripte, dazu Exposés und Ideen. Nicht alle davon gehören zu den Bereichen Fantasy und Science Fiction - ich lese so ziemlich alles, was ich in die Finger bekomme, und probiere auch beim Schreiben gern Neues aus. Allerdings wird auch bei mir mehr abgelehnt als angenommen. Dafür schreibe ich allerdings recht flott, im Schnitt 25 Seiten pro Tag, wenn ich mitten in einer Schreibphase bin. Ich habe einen halben Regalmeter mit Schreibratgebern gefüllt. Aus jedem habe ich etwas gelernt, auch wenn ich mit keinem vollkommen einverstanden bin.
Meine Romane sind bei vier Verlagen erschienen und ich durfte dabei mit sechs Lektoren zusammenarbeiten. Für die sechsteilige Romanreihe Die Türme von Taladur war ich Fachlektor. Einer meiner Romanzyklen wurde in einer Hörbuchversion umgesetzt. Ich gestalte meine eigenen Homepages, habe einen Literaturagenten, mache gern Lesungen und besuche ohnehin gern Veranstaltungen, die etwas mit Literatur, Fantasy oder Science Fiction zu tun haben. Ich war in einigen Schreibgruppen, aber nie lange. Gemeinsam mit meinem Agenten habe ich einige Verlage besucht und bin noch immer überrascht, wie klein diese Branche ist - im Bereich Fantasy, noch mehr bei der Science Fiction, kennt in Deutschland jeder jeden.
Ich hoffe, aus diesem Elaborat könnt Ihr ersehen, zu welchen Themen ich eventuell kluge Sachen beitragen kann. Jetzt bin ich gespannt auf Eure Fragen!

Bernd

Offline Schattenfeuer

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Hallo Herr Robker! 
Vorab vielen dank, dass sich zeit für "Buchmensch des Monats" nehmen.
Ich habe natürlich aber auch eine Menge an sie Fragen los zu werden:

Im Phantastik bereich sind sie nun ja schon ziemlich erfolgreich, können sie sich auch eines Tages vorstellen etwas nicht Phantastisches zu schreiben?
 
25 Seiten pro Tag, das ja ziemlich viel, bleibt denn da noch Zeit für andere Hobbys und Freizeitaktivitäten?

Gibt es Zeiten, in denen sie das Gefühl haben, dass es beim Schreiben nicht gut läuft? Was machen Sie dann, um sich zu überwinden und zu motivieren?

Hören Sie beim Schreiben Musik oder brauchen Sie absolute Ruhe?

Haben sie eine bestimmte Tageszeit in der sie besonders Kreativ sind?

Gibt es etwas, dass sie jungen, aufstrebenden Autoren mit auf den weg geben möchten?

Was macht ihnen an ihrem Beruf am meisten spaß?

Nun ich will sie nicht mit noch mehr fragen überhäufen.
Ich denke von mir ist das erst einmal genug für den anfang. ;)
Ihr Roman "Feind" hat mir übrigens sehr gut gefallen.
Ich freue mich auf Antworten!  :)
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Bernd Robker

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Im Phantastik bereich sind sie nun ja schon ziemlich erfolgreich, können sie sich auch eines Tages vorstellen etwas nicht Phantastisches zu schreiben?
Das habe ich bereits.
Ich habe eineinhalb Sachbücher veröffentlicht, nämlich gemeinsam mit einem Kommilitonen, der inzwischen Professor ist, Betriebswirtschaftliche Formeln, Schemata und Tabellen (eine Formelsammlung, die er ab der zweiten Auflage allein weiterentwickelt) und Bei Regen und bei Sonnenschein, einen Bericht über eine Weltreise, die ich 2004 unternommen habe.
Mit Raubtiere habe ich einen kurzen Roman auf der Festplatte, der keine fantastischen Elemente hat.
Einige meine Kurzgeschichten sind ebenfalls nicht fantastisch, und es gibt einige Exposés oder Romanideen ohne fanastische Elemente, zum Beispiel für historische Romane (ich bin in Zentralemerika auf gut zwei Dutzend Maya-Pyramiden herumgeklettert, diese Kultur lässt mich seitdem nicht mehr los).
Also: Mein Schwerpunkt sind sicher Science Fiction und Fantasy, aber letztlich kommt es immer darauf an, ob mich eine Geschichte fasziniert. Wenn diese Geschichte dann einen Troll, einen Vampir oder einen Schattenherrn braucht, dann bekommt sie einen. Wenn nicht - dann nicht.
 
25 Seiten pro Tag, das ja ziemlich viel, bleibt denn da noch Zeit für andere Hobbys und Freizeitaktivitäten?
Nein, wenn ich in einer Schreibphase bin, hängt an meiner Tür ein Schild mit der Aufschrift: "Vorübergehend verstorben".
Wenn ich allerdings nicht gerade in einer Schreibphase bin, gehe ich gern tanzen (Standard, Latein und Tango Argentino) und ins Kino.
Ich lebe generell "in Schüben", das heißt: Ich mache Sachen über längere oder kürzere Perioden hinweg sehr intensiv und dann wieder gar nicht. Das ist bei der Schriftstellerei auch recht gut möglich, weil es etwas völlig anderes ist, wenn man eine Rohfassung schreibt, ein Manuskript überarbeitet oder sich auf eine Buchmesse vorbereitet.

Gibt es Zeiten, in denen sie das Gefühl haben, dass es beim Schreiben nicht gut läuft? Was machen Sie dann, um sich zu überwinden und zu motivieren?
Es klingt wahrscheinlich etwas ulkig, aber die Wahrheit ist: Ich werde sauer auf mich. Wenn ich finde, ich hätte schreiben sollen und habe es nicht getan, schimpfe ich mich in Gedanken aus. Irgendwann kann ich das Gemecker nicht mehr hören, setze mich hin und schreibe. Wenn ich einmal angefangen bin, habe ich das Problem nicht mehr. An einem schlechten Tag habe ich dann mal nur 5 Seiten geschafft, aber auch so kommt man vorwärts, und an einem normalen Tag werden es die genannten 25 Seiten.

Hören Sie beim Schreiben Musik oder brauchen Sie absolute Ruhe?
Am liebsten schreibe ich mit aufgesetztem Kopfhörer. Meistens gibt es eine Handvoll Musikstücke, die in mir die Stimmung erzeugen, die ich bei einem bestimmten Roman haben möchte. Die höre ich dann in Endlosschleife. Je besser es läuft, desto lauter ist in der Regel die Musik. Ich habe da einen Lautstärkeregler, der von 0 bis 100 geht. Den Schreibtag beginne ich in der Regel bei 25. Bei den Tagen, bei denen ich die 100 erreiche, übersteige ich in der Regel auch die 30-Seiten-Marke.
Übrigens schreibe ich auch umso besser, je schneller ich schreibe. Die Passagen, die ich am flottesten schreibe, sind zugleich diejenigen, bei denen das Lektorat am wenigsten Korrekturwünsche hat.

Haben sie eine bestimmte Tageszeit in der sie besonders Kreativ sind?
Ich habe zwei "Höhepunkte". Den ersten direkt nach dem Aufstehen (zwischen 7 und 8 Uhr) und mittags, den zweiten von 16:00 - 21:00 Uhr.

Gibt es etwas, dass sie jungen, aufstrebenden Autoren mit auf den weg geben möchten?
Das kann ich so allgemein nicht beantworten, weil es darauf ankommt, wohin dieser Weg führen soll, also welches (Zwischen-)Ziel der junge, aufstrebende Autor erreichen möchte.
Ein paar Sachen, die vermutlich auf viele Lebenssituationen passen, sind aber in jedem Fall richtig:
"Sei ehrlich zu dir selbst." - Wenn Sie reich und berühmt werden wollen, dann stehen Sie dazu und reden Sie sich nicht ein, dass Sie "nur für sich schreiben wollen". Genauso umgekehrt - wenn Ihnen die Vorstellung unangenehm ist, dass fremde Leute Ihre Texte lesen, dann lassen Sie sich nicht von Ihren Freunden überreden, sie irgendwo einzuschicken. Seien Sie auch ehrlich mit Ihren Texten. Wenn sie Schrott sind, dann sind sie Schrott - auch, wenn Sie selbst den Fehler vielleicht (noch) nicht finden. Aber reden Sie nicht Ihre eigenen Texte schlecht, nur weil Sie glauben, sich dadurch in einer Schreibgruppe Sympathiepunkte zu erwerben.
"Beharrlichkeit und Disziplin zahlen sich aus." - Es gibt unheimlich viele Leute, die gern Tennisprofi wären und in Wimbledon auf dem Rasen stünden. Aber es gibt unheimlich wenige Leute, die das Trainingspensum absolvieren können, das notwendig ist, um dorthin zu kommen. Bei Schriftstellern ist das ähnlich.
 
Was macht ihnen an ihrem Beruf am meisten spaß?
Das Schreiben an sich mag ich nicht besonders. Nur sehr selten habe ich Freude daran, vermutlich deswegen möchte ich die Schreibphasen auch schnell hinter mich bringen. Letztlich ist es eine öde Tätigkeit: Man sitzt allein irgendwo herum und niemanden interessiert's.
Was diesen Ärger wieder aufwiegt, ist der erste Korrekturgang. Die Rohfassung der Geschichte ist fertig, ich habe sie für mich ganz allein, kann sie in einem Zug durchlesen und damit machen, was immer ich will. Das ist der Lohn der Mühen.
Mit weitem Abstand auf Platz Zwei folgt das Auspacken von Belegexemplaren.

Ihr Roman "Feind" hat mir übrigens sehr gut gefallen.
Das freut mich.  :D

Offline Jayda-Rose

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Hallo herr Robker :)
es freut mich wirklich sehr, endlich mal selbst einen "Buchmensch des Monats" kennenzulernen.
Ich möchte natürlich auch ein paar Fragen loswerden:

 Lesen auch im gleichen Genre, wie sie schreiben?

 Gibt es Phasen, indenen sie die halbfertige Geschichte einfach nicht mehr interessiert und sie das ganze Buch einfach langweilig finden? Wenn ja, was machen sie dann?

 Diese Frage bezieht sich jetzt eher, auf den Teil, nachem ein Buch angenommen wurde. Was passiert dann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Bekommt man einen Lektorat zugeteilt? Wie steht es mit der Kommunikation mit dem Verlag? Mit wem arbeitet man alles?

 Tut mir leid... einen schritt zurück :) Wie genau war das Gefühl, als sie die Zusage zu ihrem ersten Roman bekommen haben?

Ich hoffe, dasss wird jetzt nicht zu viel Schreibarbeit :D Ich freue mich schon auf die Antworten :)
Grüße, Rose

Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt - Albert Einstein

Bernd Robker

  • Gast
Re: [April 2013] Bernd Robker / Bernard Craw / Robert Corvus - Phantastik
« Antwort #10 am: 01. April 2013, 15:51:14 »
Lesen auch im gleichen Genre, wie sie schreiben?
Stellen Sie sich mich als einen Menschen vor, der Geschichten mag, und zwar beinahe unabhängig von der Form, in der sie erzählt werden. Ich habe viele Bücher, aber auch viele DVDs und gehe gern ins Kino. Ich lasse mir viel mehr Geschichten erzählen (also lese Bücher und schaue Filme), als ich selbst schreibe. Aus diesem "Kontinuum" kommen dann auch meine eigenen Geschichten. Von daher ist naheliegend, wenn auch nicht zwingend, dass ich häufig im gleichen Genre lese, in dem ich auch oft schreibe. Der Akzent ist allerdings verschoben. Ich habe 8 Fantasyromane und 3 Science-Fictionromane veröffentlicht (eventuell 4, je nachdem, wo man meinen Vampirthriller einordnen möchte), lese aber etwa gleich viel Science Fiction und Fantasy.

Gibt es Phasen, indenen sie die halbfertige Geschichte einfach nicht mehr interessiert und sie das ganze Buch einfach langweilig finden? Wenn ja, was machen sie dann?
In dieser extremen Form hatte ich das noch nie. Was mir einige Male passiert ist, war, dass ich zu langsam vorwärts kam. Ich war ja - mit Ausnahme der letzten drei Monate - immer nebenberuflicher Autor, und der Hauptberuf ging natürlich vor, sodass ich manchmal nicht immer so zum Schreiben kam, wie es notwendig gewesen wäre, um mit der Geschichte Schritt zu halten. Denn die Geschichte schreibt sich im Kopf immer weiter, ohne Rücksicht darauf, was der "Tipp-Diener" zu Stande bringt. Dann war im im Kopf schon zwei oder drei Kapitel weiter als in meiner Datei. Infolgedessen war das, was ich gerade tippte, für mich schon "kalter Kaffee" und wenig aufregend.
Meine Lösung war dann immer: Schneller schreiben, um wieder zum (in meinem Kopf) aktuellen Geschehen vorzudringen.
Auf einer anderen Ebene stellt sich die Frage bei der Konzeption der Geschichte, wenn man den Szenenplan anschaut und meint: "Irgendwie ist das langweilig." Das ist aber die normale Konzeptionsarbeit: umstellen, raffen, Spannungsbögen straffen, dramatische Wendungen einbauen.


Diese Frage bezieht sich jetzt eher, auf den Teil, nachem ein Buch angenommen wurde. Was passiert dann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Bekommt man einen Lektorat zugeteilt? Wie steht es mit der Kommunikation mit dem Verlag? Mit wem arbeitet man alles?
Den Lektor hat man bereits vorher, das ist nämlich derjenige, der das vorgeschlagene Projekt prüft. Dazu hat er das Exposé und die Leseprobe. Wenn ihm das gefällt, ruft er Sie an und fragt Sie, ob Sie mit einigen Änderungen einverstanden wären, die seiner Meinung nach den Stoff verbessern würden oder notwendig wären, um das Buch im Verlagsprogramm zu platzieren. Sie nicken zustimmend (Lektoren können das durch die Telefonleitung hindurch sehen) und versichern, dass Sie ähnliche Änderungen ohnehin im Sinn hatten und selbstverständlich dankbar für die Vorschläge sind und das geänderte Exposé binnen Wochenfrist schicken werden. Das wiederholt sich so lange, bis der Lektor zufrieden ist.
Ab diesem Zeitpunkt ist der Lektor Ihr Verbündeter im Verlag. Er geht zunächst, bewaffnet mit ihrem überarbeiteten Exposé und einem Dutzend Argumenten, warum Sie die Autorin der Zukunft sind, in die Abteilungssitzung (in einem Großverlag gibt es eine Abteilung für fantastische Romane, eine für Romantik, eine für Erotik, etc.). In dieser Abteilungssitzung preist er Ihr Werk an und setzt es gegen die anderen Werke durch, die auch einen Programmplatz haben wollen. Wenn er das nicht schafft, wird er sie mit Tränen in den Augen anrufen (diese Tränen kann wiederum ein Autor durch die Telefonleitung hindurch glitzern sehen) und teilt Ihnen mit, dass es leider nichts wird mit dem Buch.
Im positiven Fall klappt es aber, dann kommt es zu den Vertragsverhandlungen. Vielleicht gibt es noch letzte Änderungswünsche am Exposé, primär geht es nun aber um Abgabetermin und Konditionen. Hier schlägt auch noch einmal die Stunde des Literaturagenten, falls Sie einen haben. War er vorher "Mr. Nice Guy", der den Lektoren die Drinks bezahlt und von der Sanftmut seiner Autorin geschwärmt hat, ähnelt er nun einem üblen Typen aus einem Chicago-Gangster-Thriller, erklärt dem Verlag, dass es ein purer Gnadenakt ist, dass Sie sich mit diesem Haus einlassen und dass die Konditionen besser üppig ausfallen, damit man Sie nicht sogleich wieder an eine der zahlreichen Alternativen verliert, die sich Ihnen selbstverständlich bieten.
Sie unterschreiben.
Das Exposé wird final von Ihnen und dem Lektor abgesegnet. Virtuell schneiden Sie sich gegenseitig die Pulsadern auf und unterschreiben mit Ihrem Blut.
Ihnen wird ein Redakteur zugewiesen. Dieser ist manchmal fest im Verlag angestellt, manchmal auch ein Selbständiger, der pro Buch beauftragt und bezahlt wird. Der Redakteur ist so etwas wie ein Seelenklempner für Autorinnen und Autoren. Sie rufen ihn an, wenn Sie schlecht geschlafen haben, der Kaffee nicht schmeckt oder - und insbesondere - wenn Sie eine Schreibblockade haben oder feststellen, dass irgend etwas an der Geschichte nicht klappen will. Eigentlich bezahlt wird er allerdings dafür, dass er mit Ihnen gemeinsam am Text arbeitet. Das heißt: Wenn Sie ihn nicht mehr besser hinkriegen, schicken Sie ihn an den Redakteur. Oft schicken Sie eine inhaltlich fertige Fassung zu einem "Vorlektorat". Dann weiß der Redakteur, dass sich an der Sprache noch einiges ändern kann, und prüft nur auf Spannungsbogen etc. Seine Anmerkungen arbeiten Sie ein, lassen den Text etwas liegen (beim Vertragsabschluss haben Sie selbstverständlich darauf geachtet, einen Termin zu vereinbaren, der soweit in der Zukunft liegt, dass Sie dafür Luft haben) und machen die sprachliche Überarbeitung, bis Sie den Text nicht mehr besser hinbekommen. Dann geben Sie ihn dem Redakteur zum eigentlichen Lektorat (wird manchmal auch "Redaktion" genannt). Eine Woche später bekommen Sie den Text zurück. Er ist blutrot, weil er voller Anmerkungen ist. Sie "verbinden die Wunden", verbessern also die angemerkten Stellen. Bei einigen, wenigen, handverlesenen Stellen halten Sie sich für schlauer als den Rest der Welt und die Leute, die schon seit Jahrzehnten Bücher machen, lassen Ihre ursprüngliche Formulierung stehen und notieren am Rand, warum es genau so bleiben muss und Sie auf der Stelle sterben werden, wenn es geändert werden sollte.
Dann schicken Sie den Text zurück an den Redakteur.
Der sieht sich an, was Sie damit gemacht haben, und kommentiert erneut. Da Sie gewissenhaft gearbeitet haben, findet er diesmal deutlich weniger als beim vorigen Durchgang. In dieser Version findet sich nun also deutlich weniger Rot als zuvor.
So geht der Text hin und her, bis Sie und der Redakteur vor der Aufgabe kapitulieren, ihn noch besser zu machen.
Der Lektor ist derweil nach wie vor Ihr Mann im Verlag. Er hat inzwischen die Künstleragentur angehauen und einen Vorschlag für ein Titelbild organisiert, den er mit Ihnen durchspricht. Außerdem hat er mit Ihnen gemeinsam die Werbetexte besprochen und dann mitgenommen zur Marketingabteilung. Da etwa die Hälfte der vorgeschlagenen Formulierungen übernommen wurde, gönnen Sie sich beide ein Gläschen Sekt. Leicht beschwipst geht der Lektor dann in die Vertreterkonferenz und preist Ihr Werk (das inzwischen sicherlich schon halb geschrieben sein wird) in den höchsten Tönen. Entsprechend aufmunitioniert strömen die Verlagsvertreter in den Buchhandel, die Buchhändler bestellen fleißig anhand des Verlagskatalogs, in dem Ihr Buch inzwischen mit Bild und Werbetexten angekündigt ist. Entsprechend dieser Vorbestellzahlen wird auch die Auflagenhöhe festgelegt und der Druckauftrag erteilt.
In dem Druckauftrag steht: "soundsoviel Bücher mit jeweils soundsoviel Seiten an dem und dem Termin drucken."
Aus diesem Grunde sollten Sie unbedingt mit dem Redakteur so gut zusammenarbeiten, dass Sie zum Termin und im geplanten Umfang abgeben. Wenn das nämlich nicht klappt, wird der Verlag gegenüber der Druckerei vertragsbrüchig und das wird teuer für den Verlag. Mit anderen Worten: Es passiert nicht. Wenn es doch einmal passieren sollte, müssen Sie das Lektor und Redakteur so früh wie möglich mitteilen. Aber das ist ein Horror-Szenario. Besser, im Vertrag den Abgabetermin entsprechend spät festlegen, auch wenn dann das Buch natürlich auch spät erscheint.
Also: Sie und der Redakteur sind fertig mit Nerven und Text, der Buchhandel wartet eifrig, die Druckerei auch. Sprich: Sie geben den Text ab. Er geht zum Setzer. Sie bekommen die Umbruchfahne, das ist eine PDF-Datei, die schon beinahe so aussieht wie das fertige Buch. Diese Umbruchfahne sehen Sie durch. Glücklicherweise fällt Ihnen gerade noch der Tippfehler auf Seite 1 ins Auge. Außerdem achten Sie besonders auf die Worttrennungen, da Sie vorher natürlich mit Normseiten gearbeitet haben, da gab es noch keine Trennungen. Gerade in der Fantasy gibt es Fachbegriffe, an denen die automatische Silbentrennung scheitert. Sie markieren auf der Umbruchfahne alle Änderungswünsche. Auch minimale Änderungen wie die Eliminierung von Wortwiederholungen sind statthaft.
Gleichzeitig mit Ihnen schaut auch der Korrektor durch die Umbruchfahne. Der Korrektor sprach schon als Säugling in grammatikalisch korrekten Sätzen mit tadellos akzentuierter Interpunktion und ist in solchen Internet-Foren aktiv, die Titel tragen wie "Deutsch - die Zukunft einer Sprache" oder "Perlen für Apostroph-Freunde". Logikfehler sind ihm Wumpe, er jagt Tippfehler. Da er auch nur ein Mensch ist, findet er allerdings auch nicht 100%. Ich selbst finde übrigens mittlerweile etwa 75%, das heißt: Wenn ich in einem meiner eigenen Korrekturdurchgänge 300 Fehler finde, habe ich noch 100 übersehen, von denen ich beim nächsten Mal 75 finde, sodass noch 25 drin sind und beim nächsten Durchgang finde ich davon vielleicht 18 etc. Der Korrektor findet also 95%, aber nicht 100%. Deswegen achten Sie beim Durchsehen der Umbruchfahne auch auf Tippfehler und finden hoffentlich den einen, den der Korrektor übesehen wird.
Ihre Änderungswünsche schicken Sie an den Verlag, dort werden sie mit denen des Korrektors zusammengeführt und eingearbeitet.
Das Werk geht in Druck.
Bei den Onlinehändlern ist es schon lange gelistet. Mehr oder minder gleichzeitig mit dem Eintreffen Ihrer Belegexemplare springt es auf "lieferbar".
Die Marketingabteilung des Verlags ruft Sie an. Haben Sie Lust, ein kurzes Video zu drehen und etwas über Ihr Buch zu erzählen? Wollen Sie ein Interview geben? Lesungen machen? An einer Internet-Leserunde teilnehmen?
Ihnen schwirrt der Kopf. Die letzten Monate waren von der Arbeit am Text beherrscht, jetzt fallen Sie in ein Loch. Hat Ihr Leben noch einen Sinn? Ihr Lektor meint: Ja, klar. Und fragt Sie, was für weitere Ideen Sie auf der Pfanne haben. Außerdem bespricht er mit Ihnen, wie Sie mit den Anfragen der Marketingabteilung umgehen wollen. Denn, ob Sie es glauben oder nicht: Der Lektor ist in den vergangenen Monaten zu einem echten Verbündeten geworden.
Irgendwann kommen die ersten Online-Kritiken zu Ihrem Buch. Schade, nur ein Stern. Sie gehen in den Keller und weinen. Als Sie wieder vor dem Computer sitzen, sehen Sie, dass ein anderer Leser Ihnen die volle Punktzahl gegeben hat. Der Tag ist gerettet, Sie gehen mit Krawatte ins Bett.

Tut mir leid... einen schritt zurück :) Wie genau war das Gefühl, als sie die Zusage zu ihrem ersten Roman bekommen haben?
Die Umstände waren sehr speziell. Ich kannte den Verleger, er kam aus dem literarischen Underground in Köln, in dem ich damals auch aktiv war. Er war angetan von dieser Szene, in der es viele Lesungen in Hinterzimmern von Cafés gab, und der Meinung, die Leute sollten auch veröffentlicht werden. Deswegen gründete er seinen eigenen Mikro-Verlag, den van-Aaken-Verlag, und brachte Anthologien heraus. Ich reichte für die erste Anthologie eine Kurzgeschichte ein, ging auf meine Weltreise (2004) und bekam bei meiner Rückkehr die Anthologie in die Hand gedrückt mit der Anfrage, ob ich nicht einen Roman hätte, der dann der erste in dem kleinen Verlag werden sollte. Ich war, wie man sich denken kann, geehrt und ein bisschen gerührt.
Inzwischen hat der van-Aaken-Verlag seine Pforten wieder geschlossen, aber mein Erstling wird wohl immer einen besonderen Platz bei mir haben.

Bernd Robker

  • Gast
Re: [April 2013] Bernd Robker / Bernard Craw / Robert Corvus - Phantastik
« Antwort #11 am: 01. April 2013, 18:37:38 »
Ihr merkt/ Sie merken, dass ich zur Geschwätzigkeit neige. Bitte lassen Sie sich davon nicht abschrecken und stellen Sie die Fragen, die Sie interessieren. Insistieren Sie bitte, falls ich in meinen Antworten nicht alles abdecken sollte, was Sie mit Ihrer Frage adressieren wollten.

Sie dürfen mich auch gern duzen. Ich werde die Anrede spiegeln: Wer mich duzt, den duze ich auch, und wer mich siezt, wird gesiezt.  ;)

Offline Jayda-Rose

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Re: [April 2013] Bernd Robker / Bernard Craw / Robert Corvus - Phantastik
« Antwort #12 am: 01. April 2013, 19:06:41 »
Hallo Bernd :)
das mit dem sizen, hab ich mir jetzt anders überlegt... ich will doch nicht mit 14 gesizt werden :D
Hinter einem Buch steckt ja eine ganze menge Arbeit auch NACH der Annahme. Ich hatte es mit irgendwie mehr so vorgestellt, dass man gar nichts mehr machen kann und dann irgendwann die nachricht bekommt: "So sieht das fertige Buch dann aus". Sie haben geschrieben, dass man den lektorat schon vorher hat. Ist es also ratsam, eine lektorenbür (oder wie man das nennt) zu kontaktieren, bevor man einen Verlag anzuschreiben?
(mich interessiert der Teil mit der Veröffentlichung sehr. Ich bin zwar noch sehr weit davon entfernt, gehöre aber zu denjenigen, die zwar schreiben, weil es Spaß macht, aber davon träume es irgendwann mal in den Händen zu halten. Dazu habe ich von der ganzen Sache mit der Veröffentlichung überhaupt keine Ahnung :D)
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt - Albert Einstein

Bernd Robker

  • Gast
Re: [April 2013] Bernd Robker / Bernard Craw / Robert Corvus - Phantastik
« Antwort #13 am: 01. April 2013, 19:20:18 »
Ist es also ratsam, eine lektorenbür (oder wie man das nennt) zu kontaktieren, bevor man einen Verlag anzuschreiben?
Nein, der Lektor ist ein Angestellter in dem Verlag (im Gegensatz zu dem Redakteur, der oft Freiberufler ist). Wenn Sie an den Verlag schreiben, ohne anzugeben, an wen Ihr Manuskriptangebot gehen soll, dann wird es vom Posteingang in Empfang genommen und an das Lektorat weitergeleitet. Der Lektor ist also der erste Kontaktpunkt im Verlag; Er führt auch die Verhandlungen für den Verlag, bis es dann zum Vertragsabschluss kommt.
Das liegt daran, dass im Lektorat entschieden wird, welches Programm der Verlag machen möchte - und zwar etwa 1,5 Jahre im Voraus. In einem Fantasylektorat sieht das dann so aus, dass man sagt: "Wir wollen 30 Titel bringen - 15 mal High Fantasy, 5 mal Dystopie (ist zwar eigentlich Science Fiction, schreibt man aber heutzutage Fantasy drauf), 4 mal Military Fantasy, 4 mal Dark Fantasy, 1 erotische Fantasy und 1 total abgedrehte Sache, die noch nie da war." Dann suchen die Lektoren, wie sie diese Programmplätze voll bekommen, sprich, welche Manuskriptangebote passen oder passend gemacht werden können. Die werden dann unter Vertrag genommen.
Es ist also nicht sinnvoll, vor der Kontaktaufnahme mit dem Verlag einen Lektor einzubinden - aus Sicht der Autorin ist der Lektor gleichbedeutend mit dem Verlag.
Was allerdings sehr sinnvoll sein kann, ist das Einschalten einer Literaturagentur. Einige davon arbeiten auch bereits gemeinsam mit den Autoren an den Stoffen, bevor sie angeboten werden. Bei Literaturagenturen ist es auch sehr leicht, herauszufinden, ob sie seriös sind oder nicht - das kann bei Verlagen schwierig sein. Eine seriöse Agentur will kein Geld von Ihnen. Sie verdient erst, wenn der Verlagsvertrag unterschrieben ist - dann bekommt sie 10 - 20 % von allem, was der Autor vom Verlag bekommt.

Offline Jayda-Rose

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Re: [April 2013] Bernd Robker / Bernard Craw / Robert Corvus - Phantastik
« Antwort #14 am: 01. April 2013, 20:25:54 »
Ah! okay eine Literaturargentur habe ich auch eigentlich gemeint. Dankeschön, jetzt blicke ich da schon viel mehr durch und habe eine ungefähre Vorstellung, was Verlage betrifft.
Für jemanden wie mich, der erst einen halben Roman auf dem PC hat, ist es sehr schwer, sich alles bildlich vorzustellen.
Danke!
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt - Albert Einstein

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