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Autor Thema: Fertige Manuskripte überarbeiten  (Gelesen 4117 mal)

Yanosch W.

  • Gast
Fertige Manuskripte überarbeiten
« am: 04. März 2012, 16:50:52 »
Hallo allerseits.

Eine Frage, die mich schon länger bewegt, ist, wie man an das Überarbeiten eines fertig geschriebenen Manuskriptes herangehen sollte. Hier würden mich gerade auch die Tipps der Moderatoren interessieren, da diese ja schon etwas länger Erfahrung mit so etwas haben als wir Jungschreiberlinge.

Im Grunde genommen ist das Schreiben selber ja nur der erste Schritt. Danach jedoch steht man mit einem ganzen Haufen Seiten da, die voll von einer noch recht unausgefeilten Geschichte sind. Und dieser Seitenhaufen flößt mir aktuell so viel Respekt ein, das ich nicht damit zurecht komme, ihn zu überarbeiten.
Wie fängt man am Besten an? Alles einfach noch mal lesen? Oder eben gerade nicht lesen, sondern den Abstand nutzen, den man zu dem Werk hat, und sich das Ganze kapitelweise vornehmen, um möglichst viele kleine Fehler ausfindig zu machen?
Hilft es vielleicht, ein Konzept zu haben, mit dem man sich an das Manuskript heranmacht? Wenn ja, wie könnte so ein Konzept aussehen? Und überhaupt, worauf muss man beim Überarbeiten besonders achten?

Ich denke, so grundliegendes Handwerkszeug könnte auch noch für andere als mich interessant sein. ;)

Mit freundlichen Grüßen, Yanosch

Rosentinte

  • Gast
Re: Fertige Manuskripte überarbeiten
« Antwort #1 am: 05. März 2012, 10:40:35 »
Hallo Yanosch,

Da ich ja meinen ersten Roman auch schon beendet habe, habe ich mich schon mit dem Überarbeiten befasst (zumindest theoretisch, praktisch... nicht ganz  ;)). Als erstes würde ich dir empfehlen, das fertige Manuskript ein oder zwei Monate lang liegen zu lassen. Dann bekommt man einen viel distanzierteren Blick und es ist als läse man das Werk eines Fremden. Für mich war es auch hilfreich eine andere Formatierung zu wählen (ich schreibe in Times New Roman, 12pt, einfacher Zeilenabstand, für das Überarbeiten habe ich dann Normseitenformat gewählt).
Zunächst habe ich das Manuskript einmal durchgearbeitet und hier eben alles verändert, was mir aufgefallen ist. Also Zeichensetzung, Grammatik und Rechtschreibung, aber auch erste stilistische Merkmale, Sätze, die komisch klangen, überflüssige Absätze etc. Teilweise habe ich hier auch schon Fehler, die durch die Nichtbeachtung von "Show, don't tell" o.ä. entstanden, ausgemerzt.
Was ich dann machen will (wenn ich mich aufraffen würde), wäre, die Szenen auf Relevanz zu prüfen. Ich habe den Roman ohne Plot geschrieben, entsprechend viele Szenen sind sicherlich dabei, die überflüssig sind. Am besten kann man das machen, indem man das Manuskript in ein Schreibprogramm wie yWriter importiert, wo man die Szenen und Kapitel nach Belieben verschieben und/oder löschen kann.
Durch das Löschen einiger Szenen muss natürlich ein weiterer Überarbeitungsgang folgen, in dem man feststellt, ob der Roman jetzt noch verständlich ist. Außerdem sollten Füllwörter, Wortwiederholungen bzw. Worte, die man zu oft benutzt, und Adjektive (meine große Schwäche), sowie zu lange Sätze oder Beschreibungen gefunden und verändert werden.
Wer ganz viel Geduld hat, kann auch die 10-Punkte-Text-Überarbeitung von Andreas Eschbach (siehe hier) durcharbeiten. Für einen Roman, den ich sowieso nicht veröffentlichen werde, ist mir das zu viel Arbeit, aber für KGs ist das ganz hilfreich.
Wer Testleser hat, kann diese nach der ersten oder zweiten Überarbeitung lesen lassen und dann entsprechend die Anmerkungen der Testleser noch beachten und das Manuskript dahin gehend überarbeiten.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
LG, Rosentinte

Yanosch W.

  • Gast
Re: Fertige Manuskripte überarbeiten
« Antwort #2 am: 10. März 2012, 17:03:05 »
Hallo Rosentinte.

Vielen Dank für deine Tipps. Damit lässt sich doch schon mal ein Anfang machen.

Zunächst habe ich das Manuskript einmal durchgearbeitet und hier eben alles verändert, was mir aufgefallen ist. Also Zeichensetzung, Grammatik und Rechtschreibung, aber auch erste stilistische Merkmale, Sätze, die komisch klangen, überflüssige Absätze etc. Teilweise habe ich hier auch schon Fehler, die durch die Nichtbeachtung von "Show, don't tell" o.ä. entstanden, ausgemerzt.

Hast du das Manuskript in ausgedruckter Form bearbeitet oder gleich am PC? Ich habe bei Internetrecherchen mehrmals gelesen, man solle doch lieber mit einer ausgedruckten Version arbeiten, bin diesbezüglich aber noch etwas skeptisch. Allerdings habe ich auch schon festgestellt, dass das Lesen als solches mir vom Papier deutlich einfacher fällt.

Zitat
Was ich dann machen will (wenn ich mich aufraffen würde), wäre, die Szenen auf Relevanz zu prüfen. Ich habe den Roman ohne Plot geschrieben, entsprechend viele Szenen sind sicherlich dabei, die überflüssig sind. Am besten kann man das machen, indem man das Manuskript in ein Schreibprogramm wie yWriter importiert, wo man die Szenen und Kapitel nach Belieben verschieben und/oder löschen kann.

Der yWriter ist gut, mit dem habe ich schon wärend des Schreibens aktiv gearbeitet, da er so schön die Wörter zählt. Deswegen ist das Manuskript schon in Szenen und Kapitel eingeteilt.
Szenen als überflüssig einzustufen finde ich echt schwierig. Allerdings habe ich schon überlegt, einige Szenen zusammenzuschreiben, also die Informationen darin auf kleineren Raum zu konzentrieren.
Interessieren würde mich, was man für Relevanzkriterien anlegen würde. Informationsgehalt, Lesbarkeit und Spannung fallen mir spontan ein, wobei ich persönlich mich gerade mit dem letzten Punkt schwertue. Bei charakterbasierten Geschichten kann es ja durchaus sein, dass einige Kapitel für die Kapitelentwicklung eingesetzt werden.

Zitat
Wer ganz viel Geduld hat, kann auch die 10-Punkte-Text-Überarbeitung von Andreas Eschbach durcharbeiten.

Vielen Dank für den Link. Zwar war ich vorher schon mal auf die 10-Punkte-Überarbeitung gestoßen, hatte aber vergessen, von wem sie war und wo sie zu finden ist.

Mit freundlichen Grüßen, Yanosch

!sa

  • Gast
Re: Fertige Manuskripte überarbeiten
« Antwort #3 am: 11. März 2012, 13:38:31 »
Also ich möchte hierzu jetzt auch mal was sagen...
Ich hatte ja bei meinem letzten wirklichen Versuch eines Buches ziemlichen Zeitdruck. Das Buch war für meine Schwester zum Geburtstag, wie ich es dieses Jahr wieder mache. Allerdings war ich erst einen Tag vorher fertig. (Diesmal will ich das unbedingt anders machen, wenn ich damit auch ziemlich zu kämpfen habe...) Darum hatte ich nicht wirklich viel Zeit, es zu überarbeiten, habe schnell noch ein paar Szenen ausgebessert, mehr aber auch nicht, später habe ich dann noch mehrere Zeichenfehler gefunden, bzw. kleine Verschreiber, vertauschte Buchstaben etc.
Das ist natürlich nicht sooo toll, aber ich glaube, es war auch nicht sehr schlimm, zumindest nicht für meine Schwester. Ich fürchte, ich werde dieses Mal auch nicht mehr sehr viel Zeit haben, aber ich versuche, es besser zu machen...

lg,
Isa

Rosentinte

  • Gast
Re: Fertige Manuskripte überarbeiten
« Antwort #4 am: 12. März 2012, 17:43:49 »
Hallo Yanosch,

Mir tun die ganzen Bäume leid, die für mein ausgedrucktes Manuskript abgeholzt werden müssten, wesewegen ich mein Manuskript nicht ausdrucke. Das mache ich nur bei KGs. Es stimmt, dass man dann noch einmal einen ganz anderen Bezug zum Geschriebenen hat und andere Sachen findet, aber mir reicht es auch, wenn ich mein Buch im Normseitenformat lesen. Eine Alternative wäre auch, das Manuskript auf einen eReader zu packen und entweder handschriftlich Notizen zu machen oder (soweit das geht, da habe ich keine Ahnung) Kommentare einzubauen.

LG, Rosentinte