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Autor Thema: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor  (Gelesen 6765 mal)

Offline Ann-Kathrin

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[Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« am: 01. Februar 2012, 09:24:22 »
Der Monat Februar ist angebrochen und damit kommen wir zum zweiten Buchmensch des Monats.
Thomas hat schon einige Romane und Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht. Es folgt eine Auswahl aus seinen Büchern und im Anschluss sein Steckbrief. Viel Spaß mit Thomas Plischke.

Die Zombies (April 2010)
Endlich das große Epos um die geheimnisvollsten Geschöpfe der Nacht - die Zombies! Die lebenden Toten gelten als unheimlich, feindselig und dumm. Doch die junge Lily ist davon überzeugt, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Seit jeher fasziniert sie der Zombie-Mythos, und sie ist geradezu besessen davon, mehr über die Geschöpfe zu erfahren. Als Lily den attraktiven Victor kennenlernt, kommt sie einem erschreckenden Geheimnis auf die Spur: Zombies existieren wirklich, die unheimlichen Geschöpfe sind mitten unter uns - und Lily erfährt am eigenen Leib, was es bedeutet, lebendig und tot zugleich zu sein ...

Die Zwerge von Amboss 1 (November 2008)
Die Zwerge in Amboss, einer bedeutenden Industriestadt ihres Bundes, sind verunsichert. Gerüchten zufolge planen die Menschen – die Diener der Zwerge – eine Revolution. Aus den Nachbarländern sollen Verschwörer in das Reich eindringen. Als der Ermittler Garep Schmied zum Schauplatz eines brutalen Mordes gerufen wird, halten alle einen Menschen für den Täter. Sein Motiv: Hass auf die Zwerge. Garep jedoch ermittelt gegen alle Widerstände und Vorverurteilungen weiter. Denn nicht nur die Machen-schaften von Menschen bedrohen den Bund, sondern auch unter den Zwergen herrschen Hass und Machtgier. – Ein packendes Zwergeabenteuer für alle Fans der bärbeißigen Draufgänger.


Wie lautet dein Name?
TP: Thomas Plischke, um genau zu sein Thomas Herbert Kurt Plischke, auch genannt "Plichoix".

Übst du noch einen weiteren Beruf neben dem Autorendasein aus?
TP: Nein, ich bin tatsächlich hauptberuflicher Autor ohne Nebentätigkeit, wobei ich meinen Lebensgefährten auch gelegentlich als Übersetzer, Lektor und Korrektor unterstütze.

Seit wann bist du Autor?
TP: Ich schreibe seit einer Ewigkeit kleine und große Geschichten, 2003 wurde mein erstes Werk veröffentlicht, und hauptberuflich arbeite ich seit 2008 als freier Autor.

Warum bist du Autor geworden?
TP: Gute Frage, wahrscheinlich weil ich die Gelegenheit dazu hatte - direkt im Anschluss ans Studium stellte sich mir die Frage, ob ich mir eine Nebentätigkeit suche und dann nur nebenbei schreibe oder ob ich einfach mal versuche, mich als hauptberuflicher Autor durchzuschlagen (zu dem Zeitpunkt hatte ich zum Glück schon ein paar Veröffentlichungen auf dem Buckel). Im Nachhinein war das zwar ziemlich riskant und ich hatte viel Glück, es hat sich aber auch gelohnt.

Welche Hobbys hast du?
TP: Echte Hobbys habe ich eigentlich keine. Fast alles, was ich mache, hat mit meinem Beruf als Geschichtenerzähler zu tun - nur bin ich eben in der glücklichen Lage, dass ich beruflich Bücher lesen, Filme schauen, Videospiele spielen und Serien glotzen kann. Manchmal kann das allerdings auch ein Fluch sein, wenn man sehr oft (oder gar zu oft?) an die Arbeit denkt.

Wer ist dein Lieblingsautor?
TP: Wenn ich wirklich nur einen echten Liebling nennen darf, dann würde ich wahrscheinlich Stephen King sagen, der eine unglaublich breite Palette an Werken vorgelegt hat, die trotzdem immer wieder bestimmte Themen behandeln. Doch es gibt natürlich noch viele andere spannende Autoren, die ich sehr schätze: Leslie Marmon Silko, H. P. Lovecraft, Chuck Palahniuk oder auch George R. R. Martin sind zum Beispiel alle persönliche Favoriten von mir.

Hast Du ein Lieblingszitat?

TP: Nein, habe ich nicht. Sowohl George Bernhard Shaw als auch Oscar Wilde bieten aber einen reichen Fundus von Sinnsprüchen, die man augenzwinkernd gut mal anbringen kann

Wo findet man Deine Homepage?
TP: Meine eigentliche Homepage findet man unter www.im-plischke.de, aber in letzter Zeit bin ich da etwas in den Rückstand gekommen bei den Updates. Etwas öfter gibt es Updates in meinem Blog unter plischke.blogspot.com - am häufigsten findet man Updates über mich wohl bei Facebook unter https://www.facebook.com/ImPlischke.

Thomas Plischke

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #1 am: 01. Februar 2012, 10:09:03 »
Liebe Ann-Kathrin,

vielen Dank für die Vorstellung! Ich freue mich hier sein zu dürfen.

Liebe Nachwuchsautoren,

ich bin zwar kein klassischer Jugendbuch-Autor, kann aber hoffentlich trotzdem ein paar interessante und/oder lustige Dinge beitragen.

Mich findet man übrigens auch in der Wikipedia ( http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Plischke ), vielleicht ergeben sich daraus ja auch ein paar Fragen :-)

Herzlichst, Thomas Plischke

Rosentinte

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #2 am: 01. Februar 2012, 10:21:16 »
Guten Morgen Herr Plischke,

Ihrem Steckbrief kann man ja schon einige Informationen entnehmen, ich hoffe, es macht Ihnen nicht zu viel aus, auch einige meiner Fragen zu beantworten.

Was würden Sie (rückblickend) jungen Autoren raten, wie sie ihre "Autorenkarriere" vorantreiben können?
Inwiefern haben Sie sich handwerklich mit dem Schreiben beschäftigt? Gibt es Schreibratgeber, die Sie empfehlen oder sollte jeder seinen eigenen Weg finden?
Was inspiriert Sie?
Gibt es das Geheimnis, wie man zum guten Schreiben kommt? Gibt es den Fehler, den man beim Schreiben Ihrer Meinung nach machen kann?

Vielen Dank schon einmal im Voraus!
LG, Rosentinte

Thomas Plischke

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #3 am: 01. Februar 2012, 11:50:08 »
Liebe Rosentinte,

keine Sorge, ich bin ja hier um Fragen zu beantworten, also keine falsche Scheu und immer her damit.

Untenstehend meine Antworten.

Beste Grüße, Thomas Plischke

---

Was würden Sie (rückblickend) jungen Autoren raten, wie sie ihre "Autorenkarriere" vorantreiben können?

TP: Eine gute Frage, die allerdings schwierig zu beantworten ist. Jeder Mensch ist anders, und jeder Mensch hat auch eine andere "Schreiblaufbahn". Grundsätzlich möchte ich allen angehenden Autoren nahelegen, zunächst einen sogenannten Brotberuf für sich zu finden. Das Bücherschreiben wird nicht sehr gut bezahlt, und alle Autoren, die ich kenne, haben etwas anderes gearbeitet oder eine Lehre bzw. ein Studium abgeschlossen, bevor sie zum Schreiben kamen - und viele "Berufsautoren" haben immer noch Nebenjobs oder schreiben nur neben einer anderen Arbeit.

Es gibt darüber hinaus noch zwei weitere Ratschläge, die ich allen angehenden Autoren mit auf den Weg geben würde:

i) Gebt euch eine klare Zielsetzung vor: Man sollte sich VOR dem Schreiben fragen, warum man eigentlich schreiben möchte. Will man reich und berühmt werden? Dann ist das Schreiben sicher nicht die beste Wahl. Oder hat man vor allem Freude am Erschaffen von Welten und Verfassen von Texten? Dann sollte man schreiben, doch man sollte sich auch vor Augen halten, dass all die eigenen Texte nicht zwingend zur Veröffentlichung kommen werden. Nur mit ganz viel Glück wird man mit seinem Schreiben (ein bisschen) Geld verdienen. Und ein echter Bestseller ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn.

ii) Verzettelt euch nicht bei der Neuerfindung des Rads: Man muss als Autor ein Genre nicht neu erfinden, sondern jeder muss für sich den richtigen Mittelweg zwischen Neuem und Alten einschlagen, zwischen Innovation und Tradition. Nicht nur der Autor hat schließlich Erwartungen an einen Roman, sondern auch die Leser - und wenn ein Leser mit einem Fantasyroman rechnet und dann mit einer Geschichte konfrontiert wird, die sämtlichen Konventionen dieses Genres widerspricht, wird er aller Voraussicht nach eher enttäuscht sein.

Inwiefern haben Sie sich handwerklich mit dem Schreiben beschäftigt?

TP: Ich schreibe schon ziemlich lange und habe in dieser Zeit sehr unterschiedliche Arten von Texten gelesen: vom Heftroman bis zur Hochliteratur - und vieles, das irgendwo dazwischenliegt. Diese intensive Auseinandersetzung mit Texten trägt schon ganz viel dazu bei, sich mit den Grundlagen des Handwerks vertraut zu machen. Oder anders gesagt: Ein Autor muss lesen. Und zwar sehr viel und am besten sehr viel Unterschiedliches, anstatt sich nur in einem einzigen Genre zu verbeißen ...
Außerdem schaue ich auch gerne Serien und Filme, spiele Videospiele und manchmal auch noch Rollenspiele wie DSA. Dadurch lernt man zwar nicht direkt etwas über das Schreiben, aber man lernt etwas darüber, wie Geschichten funktionieren - über das Erzählen im Allgemeinen, über Figuren, über Dialoge, über Spannungsaufbau und Dramaturgie und und und ... Es gilt also: Ein Autor muss sich auch - und vielleicht sogar in erster Linie - damit beschäftigen, wie man Geschichten erzählt, und dazu gehört eben, sich genau anzusehen, welche Tricks und Kniffe andere Erzähler verwenden.
Ansonsten ist ein Studium der Literatur- oder Sprachwissenschaft wirklich hilfreich, und der absolute Großteil der Autoren, deren Namen man kennt, hat eine Sprache studiert (z.B. Stephenie Meyer, J. K. Rowling, aber auch Markus Heitz und Christoph Hardebusch). Aber Obacht: In einem solchen Studium geht es ebenfalls nicht darum, dass man dort irgendwie zum Autor ausgebildet wird. Es hilft aber immens dabei, fremde Texte anders zu begreifen und die eigenen Gedankengänge in sinnvolle Bahnen zu lenken.

Gibt es Schreibratgeber, die Sie empfehlen oder sollte jeder seinen eigenen Weg finden?

TP: Ehrlich gesagt habe ich noch keinen Schreibratgeber ganz gelesen. Es gibt jedoch zwei Klassiker, von denen fast jeder Autor schon mal gehört hat und in die die meisten auch mal reingeschnuppert haben: Sol Steins "Über das Schreiben" und Stephen Kings "Das Leben und das Schreiben".  Insbesondere Kings Buch ist weitaus mehr als ein klassischer Schreibratgeber und enthält viele kluge Beobachtungen und Anmerkungen zum Dasein als Autor. Ganz generell bin ich aber der Auffassung, dass Schreibratgeber immer die Gefahr in sich bergen, die darin gesammelten Ansichten als absolute Wahrheiten anzusehen. Und die gibt es beim Schreiben nicht.

Was inspiriert Sie?

TP: ALLES. Inspiration findet man überall. Auf dem Eiffelturm. An der Elbe. Auf dem Klo. Vor allem inspirieren mich persönlich aber Menschen, die ich kenne (oder kennenlerne), Reisen (übrigens auch an gar nicht so ferne Orte) und andere Texte (an denen ich mich reiben kann und bei denen ich an manchen Stellen denken kann: "Das hätte ich aber komplett anders gemacht!").

Gibt es das Geheimnis, wie man zum guten Schreiben kommt?

TP: *lacht* Also ich kenne es nicht. Wobei natürlich "gutes Schreiben" auch ganz stark eine Geschmackssache ist. Nur weil mir etwas gefällt, gefällt es beispielsweise noch lange nicht meinem Co-Autor, unseren Autorenfreunden und erst recht nicht den vielen anderen Menschen da draußen.
Ich gehöre außerdem zu der Fraktion von Autoren, die ihre eigenen Werke immer kritisch sehen. Vor allem die Sachen, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben. Einen zehn Jahre alten Text bewerte ich natürlich vollkommen anders als einen aktuellen - und genau so kommt man zu etwas, dass ich am ehesten als "gutes Schreiben" bezeichnen würde. Man muss sich weiterentwickeln. Niemand wird mit einem ganz bestimmten Stil oder Geschmack geboren, sondern man muss seinen Stil und seinen Geschmack ausbilden, entwickeln und verfeinern. Das klingt jetzt unangenehm nach echter Arbeit - und das ist es ehrlich gesagt auch ;-)

Gibt es den Fehler, den man beim Schreiben Ihrer Meinung nach machen kann?

TP: Ja, es gibt meiner Meinung nach sogar zwei zentrale Fehler, die man beim Schreiben machen kann.

i) Angst haben: Als Autor ist man frei. Man kann schreiben, was man will. Diese Freiheit sollte man sich nur ganz bewusst beschneiden und nicht allein aufgrund vager Bedenken gleich die Zensurschere ansetzen. Ich mag ehrliche Texte, und ein Text wird dann ehrlich, wenn man zu ihm stehen kann, weil er gewissermaßen ein Teil von einem selbst ist.

ii) Nicht kritikfähig sein: Sobald ein Text veröffentlicht ist, gehört er nicht mehr nur dem Autor (auch wenn der ganz viel Herzblut und Mühe reingesteckt hat), sondern er gehört auch den Lesern. Und Leser haben Meinungen. Diese Meinungen (selbst wenn sie mal doof oder aggressiv vorgetragen sind), sollte man als Autor auch stehen lassen können. Man muss nicht zu jeder Kritik Stellung beziehen. Man sollte aber jede Kritik überdenken. Vielleicht steckt ja ein wahrer Kern in ihr? Zugleich sei gesagt, dass man sich keine Kritik zu sehr zu Herzen nehmen sollte: Die Kritik wird letztlich immer am Text und nie am Autor geübt. Sie ist kein persönlicher Angriff, also sollte man auch nicht persönlich beleidigt reagieren oder in Depressionen verfallen, weil ein Text einem Leser nicht gefällt.

Thomas Plischke

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #4 am: 05. Februar 2012, 14:02:28 »
Nur keine falsche Scheu und immer her mit den Fragen - ich bin wirklich nicht bissig.

Beste Grüße und ein schönes Wochenende, Thomas Plischke

Gneis

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #5 am: 05. Februar 2012, 15:29:39 »
Eine Gruppe von Schreiblingen hat jetzt eine Facebookseite gegründet http://www.facebook.com/feathergames , auf der wir andere Autoren interviewen wollen. Würden Sie sich von einem unserer Teammitglieder interviewen lassen (via Facebook oder E-mail)? Auf diese Weise werden die Antworten auch unserer Fangemeinde zugänglich gemacht  :). Wahrscheinlich werden sich einige der Fragen mit den auf Phantastur bereits gestellten überschneiden, aber das macht ihnen hoffentlich nichts aus.

Offline Janika

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Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #6 am: 05. Februar 2012, 15:38:11 »
Entschuldigen Sie, Herr Plischke, momentan ist hier irgendwie kaum etwas los. Ich gehöre mit zum Feathergames-Team, den Phantastauranern unter uns ist das auch schon schmerzlich aufgefallen ...  :-\

Auch, wenn die Fragen im Interview ebenfalls vorkommen, falls sie Ja sagen, hier doch mal meine Lieblingsfragen ;)

Was Sie inspiriert, haben sie ja bereits beantwortet, aber was inspirierte Sie dazu, mit dem Schreiben überhaupt erst anzufangen?

Wie schätzen Sie die Chancen für jugendliche Schreiberlinge ein, bei einem Verlag überhaupt erst ernstgenommen zu werden, und wissen sie vielleicht Verlage, bei denen man mit erwachsenen Autoren auf Augenhöhe betrachtet wird?

Hilft Ihnen jemand beim Schreiben, hört sich zum Beispiel Probleme oder Situationen an?

Was halten Sie, gerade bei Jugendlichen, vom Selbstverlag, geht das Werk da wegen der höheren Kosten und dem "Ansehen" von BoD, epubli und Co nicht neben Verlagsbüchern unter?

Ich freue mich auch Antworten!
LG Janika
Immer eine Handbreit Plot unter dem Federkiel haben!

Thomas Plischke

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #7 am: 05. Februar 2012, 23:58:19 »
Hallo Gneis und Janika,

toll, dass ihr euch meldet. Natürlich würde ich auch für ein separates Interview an anderer Stelle zur Verfügung stehen. Schickt mir doch einfach die Fragen per E-Mail an thomas (at) im-plischke.de

Untenstehend aber erst mal die nächsten Antworten! Und selbstverständlich könnt ihr und andere Interessierte auch hier weitere Fragen stellen (und insbesondere gerne auch Nachfragen, falls ich mich mal zu unklar ausdrücken sollte).

Beste Grüße, Thomas Plischke

---

 Was inspirierte Sie dazu, mit dem Schreiben überhaupt erst anzufangen?

TP: Einer der zentralen Auslöser war für mich der schlichte Gedanke: "Das würde ich anders machen." Bevor ich wirklich schreiben konnte, habe ich schon mit großer Begeisterung Comics gelesen und diese dann gerne auch unter Einsatz von Filzstiften ganz dreist nach meinem eigenen Geschmack abgewandelt (man könnte vielleicht auch von verschandelt sprechen): Der glatzköpfige Professor X aus den X-Men-Comics bekam von mir prinzipiell volles Haupthaar verpasst, und Kämpfe wurden mit reichlich Blut aufgepeppt. Frisuren und dieser hohe Realismusanspruch in Sachen Gewalt (hüstel) waren nur zwei Aspekte dieses frühen "Andersmachens". Und so erfand ich dann bald Geschichten, die sich in größere Universen (wie etwa das von John Sinclair) einfügten - heutzutage nennt man das wohl Fanfiction. Daraus wurden dann schließlich irgendwann ganz eigene Geschichten.
Heute ist es ab und zu auch ein vollkommen anderer Auslöser, der mich zum Schreiben treibt: Manche Ideen bekommt man einfach nicht mehr aus dem Kopf (oder aus dem Herzen). Sie setzen sich regelrecht in einem fest und lassen einen nicht mehr los - und früher oder später muss man sie zu Papier bringen.

Wie schätzen Sie die Chancen für jugendliche Schreiberlinge ein, bei einem Verlag überhaupt erst ernstgenommen zu werden, und wissen sie vielleicht Verlage, bei denen man mit erwachsenen Autoren auf Augenhöhe betrachtet wird?

TP: Ehrlich gesagt sind die Chancen, auf Anhieb bei einem Verlag zu landen, nicht sehr groß - doch das gilt nicht nur für jugendliche, sondern auch für erwachsene Autoren. Außerdem kann kein Verlag einen Jugendlichen exakt genauso behandeln wie einen Erwachsenen, und das hat einen verblüffend einfachen Grund: Bei Jugendlichen haben immer die Eltern über etwaige Verträge mitzuentscheiden, und das ist nun einmal eine Komplikation, die man als Verlag bei Verhandlungen mit Erwachsenen nicht hat. Es gibt natürlich absolute Ausnahmephänomene wie Jenny Mai-Nuyen oder Christopher Paolini, aber mir persönlich wäre es viel zu unsicher, auf eine solche Ausnahme zu hoffen - da sind wir dann fast schon wieder beim Lotto-Gewinn.
Sehr viel realistischer ist, dass man in den Twens seine erste Veröffentlichung hat. Ich habe drei Jahre lang auf meine erste Veröffentlichung im Publikumsverlag hingearbeitet und hatte ganz viel Glück. Wer wirklich etwas veröffentlichen will, sollte also jede Menge Geduld mitbringen.

Hilft Ihnen jemand beim Schreiben, hört sich zum Beispiel Probleme oder Situationen an?

TP: Ja, ich habe seit einigen Jahren einen Co-Autor, mit dem ich alle meine Projekte genau durchplane und bespreche, der sich zusammen mit meinem Agenten um die Verlagskontakte kümmert und der alle meine Texte vorlektoriert.
Ein solches Gegenüber, das sich mit Büchern und dem Schreiben auskennt, zugleich aber auch bereit ist, viel Arbeit zu übernehmen, ist übrigens unglaublich hilfreich und wertvoll, aber auch sehr schwer zu finden.
Ich habe noch dazu einen Agenten, der mich bei Vertragsverhandlungen berät und mir im Vorfeld von Projekten mit Rat und Tat zur Seite steht. Heutzutage ist ein seriöser Agent der Schlüssel zur Veröffentlichung im Publikumsverlag - und daher sollte das erste Ziel als angehender Autor sein, einen guten Agenten zu finden, der zu einem passt.

Was halten Sie, gerade bei Jugendlichen, vom Selbstverlag, geht das Werk da wegen der höheren Kosten und dem "Ansehen" von BoD, epubli und Co nicht neben Verlagsbüchern unter?

TP: Davon halte ich nichts, weder bei Erwachsenen noch bei Jugendlichen. Publikationen im Eigenverlag sind fast immer nur Geldfresser, und sie verschlingen gewissermaßen außerdem noch Texte, die man anschließend nicht mehr sinnvoll bei einem etablierten Verlag unterbringen kann. Eine solche Veröffentlichung geht zwangsläufig unter und kostet in der Produktion sehr viel Geld.
Das ist zwar nicht ganz so schlimm und teuer wie ein Druckkosten-Zuschuss-Verlag, der einem horrende Kosten in Rechnung stellt, aber für die Autorenkarriere bringt eine solche Publikation eher wenig und wird von Verlagen vielleicht sogar kritisch gesehen (nach dem Motto: "Der Text war so schlecht, dass er nur im Eigenverlag unterkommen konnte" - und das ungeachtet der tatsächlichen Qualität).
BoD (oder ähnliche Dienstleister) halte ich allerdings für eine sinnvolle Option, wenn man sein Buch vor allem an Freunde und Bekannte verteilen, aber nicht anderweitig veröffentlichen möchte.

Yanosch W.

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #8 am: 14. Februar 2012, 03:04:24 »
Hallo Herr Plischke.

Da mir Ihr Name bekannt vorkam, habe ich gleich mal den Bücherschrank meines Bruders gefilzt, und tatsächlich Ihren Zwergenroman dort gefunden. So ein Zufall. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, den Roman selber noch nicht gelesen zu haben. Nichts deso trotz habe ich auch noch eine kleine Frage an Sie:

Mich als Außenstehenden interessiert ziemlich, ob Sie die Themen, über die Sie schreiben, frei aussuchen, oder ob Sie diese von Verlagen vorgegeben bekommen. Wählen Sie Ihre Themen nach Interesse aus, oder eher danach, wie erfolgsversprechend sie sind?

Mit freundlichen Grüßen, Yanosch

Thomas Plischke

  • Gast
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #9 am: 14. Februar 2012, 11:20:06 »
Hallo Yanosch,

freut mich ja zu hören, dass eines meiner Bücher bei euch aufgetaucht ist. Grüß doch Deinen Bruder mal von mir ;-) Mein bekanntestes Buch neben den "Zerrissenen Reichen" (zu denen auch "Die Zwerge von Amboss" gehören) ist aber übrigens "Die Zombies". Darüber stolpert also vielleicht auch der eine oder andere.

Nun aber zu Deiner Frage. Ich teile sie der Übersichtlichkeit wegen in zwei Teile auf. Meine Antworten findest Du untenstehend!

Beste Grüße
Thomas Plischke

---

 Mich als Außenstehenden interessiert ziemlich, ob Sie die Themen, über die Sie schreiben, frei aussuchen, oder ob Sie diese von Verlagen vorgegeben bekommen.

TP: Das ist unterschiedlich. In den meisten Fällen überlege ich mir ein Konzept, das ich dann ausarbeite und an meinen Agenten weitergebe. Der Agent überlegt sich anschließend, bei welchem Verlag oder welchen Verlagen das Konzept am sinnvollsten aufgehoben wäre. Wenn mir die Auswahl der Verlage zusagt, gebe ich dem Agenten grünes Licht und er bietet das Konzept diesen Verlagen an. Mit ein bisschen Glück interessieren sich einer oder mehrere Verlage für das potenzielle Buch. Entweder kann ich mir dann einen Verlag aussuchen oder ich lasse das Projekt "versteigern", d.h., die an der Versteigerung beteiligten Verlage geben Angebote ab, die mich und meinen Agenten davon überzeugen sollen, das Buch bei ihnen zu veröffentlichen. Oft bieten die Verlage bei so einer Versteigerung nicht nur einen höheren Vorschuss, sondern auch bessere Prozente, eine bessere Position im Programm oder mehr Werbung, sodass es auch ganz schön knifflig sein kann, genau abzuwägen, was im Endeffekt das beste Angebot ist. Aber dafür hat man ja auch einen Agenten.
Bei der festen Zusammenarbeit mit einem Verlag (zum Beispiel weil ich ein bestimmtes Genre nur bei einem Verlag machen möchte) biete ich dem Verlag immer direkt ein Konzept an, das dem Verlag entweder gefällt oder eben nicht. Häufig spricht man aber schon vorher mit den Lektoren und weiß daher in etwa, was der betreffende Verlag sich wünscht oder erwartet.
In einigen wenigen Fällen wird man auch direkt von einem Verlag (oder einem anderen Autor) für ein bestimmtes Projekt angesprochen: Zum Beispiel veröffentliche ich in diesem Sommer einen Roman in Markus Heitz' Justifiers-Universum ("Autopilot" heißt das gute Stück). Markus hat meinen Co-Autor und mich schon vor einer ganzen Weile angesprochen, ob wir da mitmachen wollen - und wir haben sehr gerne zugesagt. Aber dieses Angesprochenwerden ist wirklich der seltenere Fall, nur bei Kurzgeschichten und kürzeren Beiträgen für andere Bücher ist das üblich.

Wählen Sie Ihre Themen nach Interesse aus, oder eher danach, wie erfolgsversprechend sie sind?

TP: Von beidem ein bisschen: Wir haben neulich mal nachgeschaut und festgestellt, dass auf unseren Computern noch zwischen 30 und 40 Ideen herumliegen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht weiter angefasst wurden und unterschiedlich weit gediehen. Bei manchen fehlte uns der letzte Kniff für die Idee, bei anderen gehen wir davon aus, dass sich einfach zu wenig Leser finden würden - und bei allen gab es gleichzeitig andere Themen, die uns einfach mehr gereizt haben oder schlichtweg interessanter waren.
Als hauptberuflicher Autor kann man nicht einfach drauflos schreiben und davon ausgehen, dass sich schon irgendwie irgendwo irgendwelche Leser für das fertige Buch finden werden. Man muss ein bisschen überlegen, welches Projekt sich bei einem Verlag unterbringen lässt, denn in ein Buch stecke ich ungefähr drei bis sechs Monate Arbeit - sprich, ich muss also auch genug Geld damit verdienen, um die nächsten drei bis sechs Monate, in denen ich das nächste Buch mache, meine Brötchen kaufen zu können. Würde sich ein Buch als völlig unverkäuflich erweisen, wäre das natürlich ein mittelschweres Desaster (zum Glück ist das aber bei mir auch noch nie vorgekommen).
Zugleich muss man aber natürlich auch hinter seinen Büchern stehen können, denn nur dann kann man auch ein halbes Jahr mit dem Verfassen des Textes zubringen, ohne die Lust zu verlieren. Zumindest ich könnte also kein Buch schreiben, das mir völlig wesensfremd ist - und ich würde das auch niemandem empfehlen.

Offline Ann-Kathrin

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    • Ann-Kathrin Karschnick
Re: [Februar 2012] Thomas Plischke - Fantasyautor
« Antwort #10 am: 01. März 2012, 20:15:31 »
Vielen lieben Dank an Thomas Plischke für die herzliche Beantwortung der Fragen.  :D