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Autor Thema: Die Kunst die Leser zu fesseln  (Gelesen 4482 mal)

Angela

  • Gast
Die Kunst die Leser zu fesseln
« am: 29. Oktober 2011, 12:58:30 »
Hallo!

Momentan schreibe ich an dem Roman Wandlerin zwischen den Welten, parallel zu dem Projekt Error - tödlicher Fehler. Doch mir tun sich Fragen auf. Und zwar ab welchem Kapitel geht bei euch der Plot richtig los, damit der Leser gefesselt ist und nicht das Buch weglegt? Bei mir fing es mit dem Prolog an, der Traum eines Jungen mit den Namen Michael. Er verwickelt sich in einen Kampf mit einen Dämon, wo auch die Hauptperson Claudia in Gestalt einer Dämonenjägerin vorkommt. Der Junge stirbt dabei. Im ersten Kapitel erwacht Claudia aus einem grässlichen Albtraum und besucht nach einem Gespräch mit ihrem Vater die Stadt. Daraufhin begegnet sie dem Dämonenfürsten in einem Tagestraum und landet in Kapitel zwei im Krankenhaus. Kapitel 3 handelt davon, dass ihr Vater Claudia ihre Fähigkeiten offenbart und in welcher Gefahr sie schwebt ohne es zu wissen.

Denkt ihr der Spannungsbogen ist so in Ordnung, oder sollte ich nicht so schnell bei Kapitel 1 ins Geschehen einsteigen? Ich tue mich immer schwer damit, wie ich den in den Plot rein kommen soll ...

Conâsil

  • Gast
Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #1 am: 29. Oktober 2011, 15:44:04 »
Ich fange meistens mit einer spannenden Anfangsgeschichte an, die nicht zu lange ist und kaum hintergründiges Wissen enthält. Das hält schonmal bei Laune. Im 2. Kapitel wird es ruhiger, man erfährt mehr über die Figuren. Mehr habe ich noch nicht :D

Offline Tara

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #2 am: 02. November 2011, 19:27:53 »
Bei mir fängt es gleich mit etwas verdammt spannendem an und dann geht es Schlag auf Schlag weiter...es gibt natürlich auch Pausen wo es ruhiger geht, aber lange geht das bei mir nicht, am Besten kann ich meine Figuren eh im Geschehen vorstellen. Ich glaube nicht das ich damit vielee Leser fessele, manche stört es wahrscheinlich, aber ich bin ja noch Anfängerin  :) Außerdem kann ich ohne dieses Schlag auf schlag einfach net, ich liebe es und wenn eine Weile lang nichts Aufregendes passiert, langweile ich mich zu Tode....
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Yanosch W.

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #3 am: 14. Februar 2012, 00:58:45 »
Hallo.
Spannungskurven sind Geschmackssache. Ich habe kein Problem damit, Bücher zu lesen, bei denen der Konflikt 200 Seiten braucht, um sich aufzubauen, wenn das nur gut geschrieben ist. Dem entsprechend lasse ich mir auch bei meinem eigenen Geschreibsel Zeit mit Spannung, lieber entwickele ich erst einmal die Hauptfiguren. Dabei ergibt sich dann meist auch eine Art Spannung.
Was ich persönlich gar nicht mag ist, wenn die ersten Kapitel nur auf Spannung legen und man als Leser den Charakteren nicht nahe kommen kann. Spannung ist prinzipiell nicht schlecht, aber sie darf am Anfang noch nicht in Hektik ausarten, dann würde ich das Buch schnell wieder weglegen. Dieses Problem habe ich häufig mit Thrillern, bei denen alles Schlag auf Schlag geht, eine Katastrophe nach der nächsten, und die Figuren darüber platt und unausgegoren bleiben. Lieber erst mal etwas Alltag, einige friedliche Szenen mit der Hauptfigur, damit man als Leser mitbekommt, wen man da überhaupt vor sich hat. Oder um es mit einem Ausdruck zu sagen, den ich für mich eigentlich eher ungern benutze: Damit der Leser die Chance bekommt, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren.

Mit freundlichen Grüßen, Yanosch

Offline Thiod

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #4 am: 12. August 2012, 17:23:49 »
Naja, ich denke auch, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, mit der Spannungskurve umzugehen. Wichtig ist, dass sie innerhalb der ganzen Geschichte stimmig ist. Wenn du also voller Geschwindigkeit anfängst und danach kapitellang Landschaftswanderungen beschreibst (jetzt mal extrem gesagt) würde das wohl die meisten Leser ärgern. Aber wenn du generell ein zügiges Erzähltempo mit nur kleineren "Verschnaufpausen" verwendest, kann auch ruhig der Anfang rasant sein.
Abgesehen von der durch-und-durch-schnell Variante, ist es aber auch möglich, im ersten Kapitel, bzw. im Prolog etwa sehr dramatisches zu schildern und danach die Handlung langsam aufzubauen - wobei jedoch meist die Verbindung zwischen der Haupthandlung und der rasanten Einleitung nicht sofort klar wird (zumindest kenne ich's so).
Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass auch andere Schemata funktionieren, wenn sie gut umgesetzt sind.
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Offline Tintenflügel

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #5 am: 14. August 2012, 15:15:49 »
also ich würde sagen, nicht gleich alles an vorhandener Spannung ins erste Kapitel werfen, sonst hast du für die Mitte nichts mehr, dann wird die lang und fad und dann legt der Leser das Buch da weg. besser Spannung zur Mitte oder gegen Ende hin aufbauen!
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Offline Janika

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #6 am: 01. Oktober 2012, 08:10:50 »
Ich bin ein Fan davon, wenn man einen fesselnden, spannenden Prolog hat und dann anschließend die Handlung in den ersten zwei bis fünf Kapiteln aufbaut. Mein Problem ist nur - ich kann nicht so lange am Stück ruhig schreiben :-\ In meinem Projekt "Die Wandlerin" wird auch einfach direkt am Ende des ersten Kapitels entdeckt, dass Melina eine Gestaltwandlerin ist, und sie wird mit Hass und Mobbing vom Schulgelände gejagt ... das muss ich dringend noch ändern! Bislang habe ich nur einen Prolog davorgesetzt, der von dem Tod von Melinas Eltern und ihrem Weg in die Kleinstadt erzählt ...
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Offline Schattenfeuer

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #7 am: 01. Oktober 2012, 09:48:21 »
Ich mag es auch lieber wenn ein Buch ersteinmal mit einem spannendem Prolog beginnt. Janika, was meinst du mit ruhig schreiben? Meinst du das du nicht so viel schreiben kannst ohne das etwas passiert? Ja, das kenne ich auch... allerdings gibt es stellen an denen die Charaktere einfach viel erzählen wollen/müssen. Ich eröffne oft mehrer Handlungsstränge. Wenn es in einem ruhiger wird, wird im anderen die action kurve etwas aufgedreht. So löse ich das problem meistens :D, Schattenfeuer.
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Offline Janika

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #8 am: 01. Oktober 2012, 10:33:03 »
Ja, genau das meine ich. Wenn meine Melina z.B. erstmal eineinhalb Kapitel lang nur zur Schule gehen und ihrer Nachbarin beim Kaffeeklatsch zuhören soll, dreh ich durch ::)
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Offline Schattenfeuer

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #9 am: 04. Oktober 2012, 14:45:31 »
Janika, vielleicht solltest du das mit dem zweiten Handlungsstrang auch einmal ausprobieren. Es gibt da nur relativ wenige Möglichkeiten... allerdings mag ich es nicht wenn ein Autor total auf Action setzt. Allerdings dieses Kaffeeklatsch Problem habe ich auch manchmal. Vielleicht solltest du dich einfach mal da durch quälen und die Spannung mit der zeit mehr und mehr aufbauen. Grüße Schattensturm 
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Offline Janika

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #10 am: 04. Oktober 2012, 23:02:08 »
Ich habe mehrere Handlungsstränge, nur setzt der zweite erst im (geschätzt) vierten bis sechsten Kapitel ein ... :/
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Offline Esora

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #11 am: 03. November 2012, 19:07:52 »
Also ich finde, man solle nicht zu viel Spannung und Dinge die geschehen nacheinandern ´hinknallen´.
Meiner Meinung ist ´Percy Jackson´ dafür ein gutes Beispiel. Ich finde es kommt alles so schlag auf schlag und als ich das Buch zu ende hatte, war ich zuerst einmal überrumpelt, denn es ist so viel passiert und das alles so gleich aufeinander.
Lieber sollte man sich etwas (jedoch nicht zu viel) Zeit lassen um einige ´nicht allzu wichtige´ Dinge, wie eine schöne Landschaftsbeschreibung oder so hinzufügen. Dann entspannt der Leser nähmich kurz und ist umso mehr vom nun folgenden ´Problem´ faszieniert.
Ich persönlich habe das Problem, meine Figuren in allzu große Probleme zu verwickeln, da ich mich auch im richtigen Leben meist aus solchen dingen heraushalte. Meist verbringe ich daher meine Zeit mit sehr bildhaften beschreibungen weißer schneebedeckter berge und dunkler grüner wälder.  :)
Allerdings ist das allgemeine Problem, um das sich die Geschichte rankt umso größer und schwerer lösbar.

LG Esora
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Offline Schattenfeuer

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Re: Die Kunst die Leser zu fesseln
« Antwort #12 am: 03. November 2012, 20:15:07 »

Ich persönlich habe das Problem, meine Figuren in allzu große Probleme zu verwickeln, da ich mich auch im richtigen Leben meist aus solchen dingen heraushalte. Meist verbringe ich daher meine Zeit mit sehr bildhaften beschreibungen weißer schneebedeckter berge und dunkler grüner wälder.  :)
Allerdings ist das allgemeine Problem, um das sich die Geschichte rankt umso größer und schwerer lösbar.


Hey Esora!
Landschaftsbeschreibung? Genau das ist oft mein Problem, ich bekomme es nicht immer hin meine Welt glaubhaft zum Leser herüber zu bringen. Obwohl ich die Landschaftsbeschreibungen sehr schön finde während die nicht vermeid baren Klischees der High Fantasy (wie zbs die Heldenreise) eintreten :D. Allerdings deine Idee die Spannung aufzubauen ist sehr gut gerade wenn man damit Probleme hat.
Grüße, Schattenfeuer.   
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