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Autor Thema: [Buchberufe] Vom Traum zur Wirklichkeit - oder: Wie ich Berufsautorin wurde  (Gelesen 6356 mal)

Anika

  • Gast
Dies ist ein Bericht für alle, die es interessiert, wie das laufen kann: Der Weg zum Schriftsteller sein. Es sind meine persönlichen Erfahrungen, und natürlich kann es auch ganz anders gehen. Aber vielleicht ist es für manche von euch ja trotzdem spannend.
Viel Spaß beim Lesen - und wenn ihr Fragen habt, löchert mich ruhig! :)

Liebe Grüße,
Anika


Schriftsteller sein kann man auf vielen Wegen. Es gibt Autoren, die schreiben nur für sich, oder vielleicht noch für ihre Freunde und Familie, als Hobby, zum Spaß, zur Entspannung. Dann gibt es Autoren, denen reicht ein so kleiner Leserkreis nicht, die möchten gern veröffentlicht sein und ihre Geschichten einem größeren Publikum zeigen. Viele sagen dann auch, es wäre doch schön, wenn man mit dem liebsten Hobby auch noch ein bisschen Geld neben dem normalen Job verdienen könnte.
Ja, und dann gibt es noch die, die sagen: "Ich möchte überhaupt nichts anderes machen! Ich will und muss Schriftsteller sein - hauptberuflich! Ich möchte vom Schreiben leben!"
Ich glaube, von dieser Sorte gibt es unter den Autoren sogar ziemlich viele - ich selbst war auch immer eine von denen. Natürlich ist das gar nicht so einfach, sogar alles andere als das. Man muss hart an sich arbeiten, viel Geduld, Sitzfleisch und Perfektionismus haben - und trotzdem: Selbst die richtig guten Autoren brauchen manchmal Jahre oder Jahrzehnte, bis sie eine offene Tür finden, durch die sie hineinschlüpfen können in das Geschäft der großen Verlage.

Aber manchmal ... manchmal klappt es eben auch.

Ich muss etwa zwölf gewesen sein, als ich zum ersten Mal bewusst gesagt habe, dass ich Schriftstellerin werden will. Geschrieben hatte ich schon vorher, aber mit zwölf habe ich meinen ersten Roman versucht. Er ist über zwanzig Seiten nie hinausgekommen, aber ich habe immerhin schonmal vorformuliert, was hinten auf der Klappe stehen soll: "Die jüngste je veröffentlichte Autorin der Welt!" Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern, wie ich mir das ausgemalt habe - es ist über die Jahre, die mich mein Traum vom Ruhm begleitet hat, immer dasselbe geblieben.
Als ich 16 wurde, bekam ich allmählich Torschlusspanik, was diese Sache mit dem "jüngste je veröffentlichte Autorin" angeht. Dabei war das noch Jahre vor Paolini mit seinem "Eragon". Mit knapp 20 Jahren musste ich mich dann endgültig von diesem Teil meines Traums verabschieden. Am Rest davon - mit meinen Büchern ganz groß rauszukommen nämlich - habe ich aber eisern festgehalten, auch wenn mir klar war, dass ich nicht direkt nach der Schule ins Autorenleben einsteigen würde. Ich war damals einfach noch nicht so weit. Also studierte ich erstmal "Was Anderes", um die Zeit bis zu meinem großen Ruhm zu überbrücken. Konkret war das in meinem Fall die Biologie, was ich bis heute nicht bereut habe. Ohne Frage ist es absolut sinnvoll, neben der Schreiberei noch einen anderen Beruf zu lernen, oder etwas zu studieren, das einen interessiert! Ganz abgesehen von der beruflichen Ausweichmöglichkeit, die man sich damit schafft, wenn es mit dem Schreiben doch so bald nicht klappt: Die Erfahrungen, die man dort macht, sind Gold wert - auch für die schriftstellerische Entwicklung!

Mein Studium dauerte drei Jahre, und ich habe danach noch zwei Jahre an der Uni gearbeitet. Nebenher habe ich natürlich weiter geschrieben und mit Hilfe des Tintenzirkels (dem großen Bruder der Phantastatur) hart daran gearbeitet, meinen Schreibstil endlich veröffentlichungsreif zu machen.
2008 schrieb ich dann meinen insgesamt sechsten Roman - einen Vampirroman - und zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass dies ein Text war, mit dem ich möglicherweise auch in einigen Jahren noch zufrieden sein könnte. Ermutigt durch den liebevoll-energischen Zuspruch meiner Freunde und Kollegen aus dem Tintenzirkel bewarb ich mich schließlich mit dem Buch bei einer Literaturagentur. Literaturagenten (für die, die davon noch nichts gehört haben) sind sozusagen eine Vorstufe zum Verlag. Wenn sich ein Agent bereit erklärt, einen Autor zu vertreten, übernimmt er damit die Aufgabe, die Bücher des Autoren an die passenden Verlage zu vermitteln, die bestmöglichen Honorare auszuhandeln und generell den Kontakt zwischen Autor und Verlag herzustellen. Dafür bekommt er einen Anteil vom Honorar.
Jedenfalls erhielt ich von meiner jetzigen Agentin dann tatsächlich nur wenige Wochen später eine Zusage - sie war begeistert von meinem Buch! Ich schwebte auf Wolke sieben und bekam dieses Unbesiegbarkeitsgefühl: Jetzt kann mich nichts mehr stoppen! Ich sah mich schon in meinem eigenen kleinen Schlösschen am Pool sitzen und den ganzen Tag bunte Cocktails trinken ... ;)

Die Wirklichkeit sah natürlich ein bisschen anders aus. Zwar schaffte es meine Agentin, recht viele Verlage zu überreden, sich das Manuskript mal anzusehen - trotzdem kamen erst einmal nur Absagen zurück. Die Monate verstrichen, und schließlich musste ich mich der Einsicht stellen, dass es recht unwahrscheinlich war, noch eine Zusage für meine Vampire zu erhalten. Zu allem Überfluss verließ dann auch noch mein Chef die Uni Bielefeld, um nach Berlin zu gehen - und meine Arbeitsstelle war Geschichte. Was für mich blieb, waren also enttäuschte Hoffnungen und ein Antrag auf Arbeitslosengeld. Keine schönen Aussichten, und von bunten Cocktails viel zu weit entfernt. :-[
Zum Glück konnte meine Agentin mich in dieser blöden Situation etwas trösten. Sie machte mir klar, dass es nicht ungewöhnlich ist, beim ersten Versuch nicht vermittelt zu werden, und dass das ganz und gar kein Grund zum Aufgeben ist. Mit ihr gemeinsam entwickelte ich dann einen Jugendroman, mit dem wir einen frischen Versuch starten wollten, mich bei einem Verlag unterzubringen. Dank meiner Arbeitslosigkeit hatte ich nun ja auch viel Zeit zum Schreiben. Ein paar Monate verstrichen, dann waren meine "Schwarzen Feen" fertig. Meine Agentin war sehr zuversichtlich und schätzte die Vermittlungschancen für das Buch sehr hoch ein. Wir schickten das Manuskript also an etliche Verlage, von denen meine Agentin glaubte, dass sie sich dafür interessieren könnten.

Und dann geschah das Wunder.
Denn die nächste Rückmeldung, die ich von einem Verlag erhielt, war nicht etwa eine Zusage für das Jugendbuch - sondern für die Vampire, die ich eigentlich schon abgeschrieben hatte. Ich hätte den ganzen Tag tanzen und springen können!
Und als kurz darauf dann auch noch die erhoffte Zusage für das Jugendbuch kam und ich somit gleich zwei Bücher unter Dach und Fach hatte, war das Glück perfekt. Meine Entscheidung stand sofort fest: Meine Bemühungen, wieder einen Job in der Biologie zu bekommen, würde ich vorerst einstellen. Der Moment für meinen großen Traum war gekommen - ich wollte Schriftstellerin sein, und nichts anderes mehr. Also meldete ich mich beim Finanzamt als freiberufliche Autorin an.

Seit Juli 2010 bin ich jetzt Berufsautorin. Inzwischen ist jener Vampirroman, mit dem ich 2008 diese aufregende Reise begann, in den Buchhandlungen erhältlich. Die Feen stehen für das Frühjahr 2012 in den Startlöchern, ebenso wie die Fortsetzung für die Vampire. Ein zweiter Jugendroman erscheint im Frühjahr 2013, eine Kurzgeschichte zu Weihnachten diesen Jahres.
Natürlich ist die Zukunft ungewiss. Wer kann sagen, ob ich auch weiterhin Verträge unterschreiben werde, ob sich Verlage finden, die meine Geschichten kaufen wollen? Niemand. Auch das Honorar, obwohl gar nicht übel, reicht zwar für einen durchschnittlich angenehmen Lebensstil und ab und an ein paar bunte Cocktails als Bonus - für ein Schloss allerdings noch lange, lange, lange nicht. Fest steht aber, ich werde weiter schreiben und meinen Optimismus aufrecht halten. Und so lange ich kann diesen Traum leben, der nach so vielen Jahren endlich wahr geworden ist.

Nadine

  • Gast
aber ich habe immerhin schonmal vorformuliert, was hinten auf der Klappe stehen soll: "Die jüngste je veröffentlichte Autorin der Welt!"
Ach, du auch? *lach* Mit 11 habe ich in der Bib ein Buch entdeckt, auf dem Stand "jüngste Autorin der Welt". Das wollte ich unbedingt toppen, aber mir ging auf, dass mein Island-Pferdedrama nach elf Schreibmaschinenseiten fast fertig und etwas kurz war ... bis ich überarbeitet und Schreiben gelernt hatte war es dann *schwupp* zu spät.

Wichtig finde ich ja, dass man einen Beruf gelernt und in diesem zumindest als Hiwi gearbeitet hat, bevor man nur schreibt. Machst du deine Weiterbildung eigentlich noch oder ruht die, bis du wieder weniger um die Ohren hast (Wobei ich dir natürlich lieber einen weiteren Buchvertrag wünsche).

Anika

  • Gast
Wichtig finde ich ja, dass man einen Beruf gelernt und in diesem zumindest als Hiwi gearbeitet hat, bevor man nur schreibt. Machst du deine Weiterbildung eigentlich noch oder ruht die, bis du wieder weniger um die Ohren hast (Wobei ich dir natürlich lieber einen weiteren Buchvertrag wünsche).

Genau mein reden - ohne mein Studium hätte ich niemals so viele wunderbar skurrile Ideen, da bin ich mir ganz sicher. :)

Meine Weiterbildung zur Fachjournalistin für Neurobiologie ruht gerade, ich möchte aber im Juli wieder damit durchstarten, weil es mich einfach interessiert, und damit ich auch freiberuflich noch ein zweites Standbein habe, wenn es in der Schriftstellerei vielleicht doch mal nicht so läuft.

Offline Tara

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  • büchersüchtige Geschichtenerzählerin
Irgendwie ne schöne Geschichte :D
Das tollste daran ist das sie war ist. Vor einem Jahr hab ich mir auch vorgestellt die jüngste Autorin zumindest in Deutschland zu sein.  Schade, das es nicht immer so läuft wie bei dir....
Die Worte werden lebendig
                                       wenn du sie auf der Zunge schmeckst

Offline Maja

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Das tollste daran ist das sie war ist. Vor einem Jahr hab ich mir auch vorgestellt die jüngste Autorin zumindest in Deutschland zu sein.  Schade, das es nicht immer so läuft wie bei dir....
Es geht ja gar nicht drum, die jüngste Autorin zu sein, oder die größte/kleinste/dickste/dünnste. Dafür kann man sich nichts kaufen. Das Beste Ziel, das man haben kann, ist, die beste Autorin Deutschlands zu werden, oder wo man gerade dabei ist, der ganzen Welt. Das gute daran ist, dass einem dann die Zeit nicht mehr davonläuft und man damit zufrieden sein kann, mit jedem Jahr besser zu werden.
Ich bin ja noch ein paar Jährchen älter als Anika und bei mir hat es auch noch nicht geklappt (und natürlich, ich wollte auch mal die Jüngste Autorin aller Zeiten sein…), und ich gebe die Hoffnung trotzdem noch nicht auf.
Worte sind Luft. Aber die Luft wird zum Wind und macht die Schiffe segeln.
Arthur Koestler

Yanosch W.

  • Gast
Hallo.

Nun, zumindest kann ich sagen, dass ich nie jüngster Schriftsteller aller Zeiten werden wollte. Da war ich immer mehr auf die Musik beschränkt. Dafür wollte ich mit dreizehn mit meiner (nicht existierenden) Band auf Welttournee gehen... Jedem das Seine. ;D

Aber zurück zum Thema des Beitrags. Da ich dein Buch mit Begeisterung gelesen habe, Anika, kann ich nur zustimmen, dass es wirklich gut war, dass du Biologie studiert hast. Denn ohne den Wissenschaftlichen Hintergrund wäre dein 'Blutgabe' zwar auch gut, aber eben nicht so gut gewesen. In dem Sinne ist es wirklich ein Glück, dass du es geschafft hast, zu veröffentlichen, denn damit hast du all diejenigen, die gerne anspruchsvollere Bücher lesen, in den Genuss eines wirklich guten Vampirromans gebracht. Mal ganz abgesehen davon, dass 'Blutgabe' das einzige Vampirbuch ist, das ich besitze... Aber ich finde es wirklich toll geschrieben und freue mich schon auf die Fortsetzung.

Mit freundlichen Grüßen, Yanosch

Offline Hanna

  • Forenhexe
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  • Geschlecht: Weiblich
  • einfach magisch!
Dann oute ich mich auch mal: Jaa, ich wollte auch die jüngste Autorin aller Zeiten werden. Hat bei mir auch nicht geklappt. Inzwischen bin ich darüber hinweg auch wenn es einen Moment gedauert hat und ich lange Zeit sehr eifersüchtig auf andere jugendliche Autoren war. Daher unterzeichne ich mal bei Maja. Und eigentlich reicht es mir schon, überhaupt Autorin zu sein, denn das kann auch nicht jeder von sich behaupten.
In meinem Märchen bekommt die Hexe den Prinzen.

Isabell

  • Gast
Das ist eine verflucht bewegende Geschichte - und noch dazu eine, als sei sie selbst einem Roman entsprungen. Zuerst haufenweise zerstörter Hoffnungen und plötzlich der "große" Durchbruch. Ich will dich nicht abkupfern oder etwas Derartiges, aber wenn du erlaubst will ich auch mal so eine Laufbahn hinkriegen. Vor allem das mit dem Biostudium! <3

Seltsamerweise kann ich kein eigenes Thema eröffnen zu meiner Frage, und da dies hier jener noch am nächsten kommt, stelle ich sie eben her...
Vor der Sache mit dem Veröffentlichen, zu der es hier ja auch einen Thread gibt, kommt natürlich die Angelegenheit, etwas zu produzieren, dass man überhaupt veröffentlichen kann. Und in dieser Hinsicht stecke ich in einer Beziehungskrise mit meiner Muse, meinem Computer und meiner Schreib(un)laune. Für meinen Roman ist so ziemlich alles durchgeplant, was durchzuplanen ist, vom groben Handlungsverlauf bis hin zu einigen detaillierten Szenen, vom ungefähren Anfang bis zum bitteren Ende. Doch ich glaube, mit dem Schreiben ist es wie mit dem Bergsteigen: Man kommt sich plötzlich so klein vor; zwar weiß man, oben angekommen läge einem die Welt zu Füßen, aber bis dorthin ist es ein weiter Weg. Zwar bringt jeder Schritt und jedes Wort einen dem Gipfel ein kleines Bisschen näher, aber es ist sehr anstrengend. Hinzu kommen diverse andere Hobbies, die man als Jugendlicher nunmal hat, und vor allem die Schule. Vor allem hinsichtlich dessen, dass ich nächstes Jahr mein Abi machen werde/soll, weiß ich nicht, wann und ob ich überhaupt mit meinem Roman wirklich beginnen kann. Nach dem Abschluss ist es ja noch lange nicht vorbei, und irgendwann geht der Roman vielleicht auch flöten... was mir wirklich zu schade wäre.
Der Sinn meiner langen Rede um den heißen Brei ist die Frage, wie ich mich selbst dazu motivieren kann, den Roman zu verfassen, ohne nach wenigen handschriftlich verfassten DIN-A-5-Seiten aufzuhören, sondern es konsequent durchzuziehen. Und wie ich es mit Familienangelegenheiten, Schulstress und Anderem in Einklang bringen kann.
Anika hat hier zwar das Thema eröffnet, und an sie richtet sich meine Frage, weil ich jetzt ein bisschen was von ihrer schriftstellerischen Vergangenheit weiß, aber wer sonst noch Erfahrungen in diese oder ähnliche Richtungen gemacht hat, der möge sich bitte auch angesprochen fühlen und meiner Wenigkeit helfen ^^
~ Isa

Rosentinte

  • Gast
Hallo Isabell,

Auch wenn ich glaube, dass dieses Thema besser ins Autorenleben oder die Tipps & Tricks passt, habe ich doch ein paar Tipps für dich.
Mir ging es noch vor einigen Monaten genauso wie dir. Ich wollte unbedingt Autorin werden, aber mir fehlte die Zeit dazu.
Was mir dabei geholfen hat, mein erstes Buch (mit immerhin 720 Normseiten) im Juni fertigzustellen, war, dass ich dem Schreiben Platz in meinem Leben eingeräumt habe. Von Heute auf Morgen habe ich begonnen, meine Tage um das Schreiben herum zu strukturieren. Klar, ich habe immer noch alle Hausaufgaben gemacht und für die Schule gelernt, ich habe immer noch mit meinen Hobbys weitergemacht (die zum Glück immer zu festen Zeiten sind) und ich habe mich noch mit Freunden getroffen.
Aber ich habe versucht, in der Zeit, die ich dazwischen hatte, immer zu schreiben. Du kannst ganz klein beginnen! Sag dir, dass du ab heute jeden Tag 100 Wörter schreiben willst. Klar, am Anfang ist das schwierig und du wirst versuche, Ausreden zu finden, um es nicht zu tun. Aber gib nicht auf! Jeden Tag 100 Wörter, das ist das Ziel. So hast du in einem Monat schon mal 3000 Wörter geschrieben. Wenn du das eine Zeit lang machst, dann wird es dir immer leichter fallen, zu schreiben. Du wirst vielleicht schon anfangen, jeden Tag (sehr viel) mehr zu schreiben. Dann ist es Zeit, das Ziel zu erhöhen.
Und so weiter und so fort.
Wenn du Druck brauchst, kann ich dir die Internetseite Write or die empfehlen. Hier kannst du einstellen, wie viel du in welcher Zeit schreiben willst. Es gibt verschiedene Stufen. Am Anfang entsteht zum Beispiel nur Lärm, wenn du nicht schreibst, doch irgendwann beginnt die Seite, deinen Text zu löschen, wenn du nicht weiterschreibst!
Oder du gehst auf 750 Words. Hier musst du schon 750 Wörter am Tag schreiben und wenn du das machst sammelst du Punkte und "bekommst" Tiere.

Wenn du übrigens gar keine Zeit zum Schreiben findest, hilft es vielleicht, einfach eine halbe Stunde früher aufzustehen und dann zu schreiben.

Ich hoffe, ich konnte helfen.
LG, Rosentinte

Anika

  • Gast
Hallo Isabell,

oh, die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Natürlich ist es anstrengend, einen Roman zu schreiben. Das muss es sein, damit man hinterher auch zu schätzen weiß, was man getan hat. In jedem Roman kommt man mindestens einmal an einen Punkt, wo man sich quält, wo man keine Lust mehr auf die Geschichte hat, wo man alles hinschmeißen und wahlweise etwas anderes oder gar nichts mehr schreiben will. Und Familie, Schule, Freunde, Hobbies ... das alles kann man so wunderbar nutzen, um sich vor der Geschichte zu drücken, zu verstecken, während man hofft, dass sie sich vielleicht selbst schreibt.

Die Sache ist doch aber die: Wenn man wirklich will, dann findet man immer irgendwie Zeit zum Schreiben. Und schreiben ist etwas, das man WOLLEN muss, damit es funktioniert. Und zwar mit allen Freuden und Leiden, die dazugehören. Ein Buch zu schreiben, ist wie sich einen jungen Hund zuzulegen: Natürlich ist es toll und man liebt das kleine Wesen abgöttisch - trotzdem macht es dir zu Anfang auf den Teppich, pinkelt in die Ecken und zerkaut dein Lieblingsbuch. Auch wenn es schon größer ist, bleibt der Ärger nicht immer aus, der Hund wird vielleicht krank oder fetzt sich mit anderen Hunden, jagt Nachbars Kaninchen und du musst auch dann mit ihm Gassi gehen wenn draußen absolutes Sauwetter ist. Aber man kann sich das dann nicht mehr aussuchen - man muss da durch.
Dein Buch zu schreiben wird dir auch unglaublich viel Ärger machen, also musst du es so sehr lieben, dass es dir den Ärger wert ist. Auch mal auf etwas verzichten, um dich um das Schätzchen zu kümmern. Und vor allem: Es nicht einfach irgendwo aussetzen, wenn du keine Lust mehr darauf hast. Betrachte deinen Roman als etwas Lebendiges, für das du verantwortlich bist. Wenn du das Buch aufgibst, tötest du die Geschichte damit - wäre das nicht schrecklich?

Niemand sagt, dass du dich jeden Tag mit der Geschichte beschäftigen musst - es soll ja vor allem anderen auch Spaß machen. Aber es sollte da so ein gewisser innerer Drang sein, die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Es wird immer zwischendurch Gelegenheiten geben, wo du ein bisschen Ruhe hast, um dich mit deinem Roman auseinanderzusetzen, zu schreiben, selbst wenn es nur ein paar Sätze sind, oder zu lesen, was du schon geschrieben hast und daran herumzufeilen. Und zur Belohnung kannst du sehen, wie dein Buch langsam wächst, Stück für Stück. Auch ein kleiner Hund ist nicht von einem Tag auf den anderen ausgewachsen - aber es ist doch auch schön, zuzusehen, wie es sich entwickelt - sonst könnte man sich ja gleich ein fertiges Buch kaufen.
Techniken, um dranzubleiben, gibt es unendlich viele. Rosentinte hat ja schon ein paar gute genannt.

Also, auf auf, versuch es einfach! Verabschiede dich von dem Gedanken, dass es schnell gehen muss. Nimm dir Zeit, genieß es. Nicht mehr planen, einfach schreiben. Dann wird das schon gehen.

Alles Liebe und viel Erfolg,
Anika